Translate

Sonntag, 28. August 2016

Roadtrip Teil II - Extremum der Superlative

Heute ist ein halb-freier Tag, ich habe erst um 4 Uhr Uni. Meine Kommilitonin Alicia und ich haben beschlossen, das Fach "Radio Production" abzuwählen, da es komplett überlaufen ist und wir den armen Amerikanern, die an unserer Uni bis zu 7.000 Dollar für ein Semester bezahlen, nicht die freien Warteplatz-Plätze wegnehmen wollen. Also nehmen wir jetzt den Workshop "Newspaper", in dem wir die Uni-interne Zeitung schreiben werden, die jeden Monat, ich glaub sogar mehrere Male, raus kommt. Und es gibt definitiv genug, worüber man hier als Deutsche schreiben kann! :D Aber zunächst einmal folgt jetzt der zweite Teil meiner Reise mit meinem Freund Colin und meiner Kommilitonin Lara.
Zuletzt befanden wir uns im Yosemite Nationalpark, und unser nächster Trip ging Richtung Death Valley.
Nach einem leckeren Frühstück am 12.08.2016, bestehend aus Bagel, Waffeln und Joghurt, eingenommen mit zwei verrückten Italienern, die zuvor aus Las Vegas gekommen waren und direkt wieder dorthin zurückfahren wollten, einigen Franzose, und Deutschen, ging es los zum nächsten Abenteuer. Dieses Mal sollte es nur eine Fahrt von 5 Stunden werden, bis wir unser Endziel erreichen, mit einem Abstecher im Death Valley.

trocken
 Das hieß zunächst einmal, dass wir unsere traumhafte Waldlandschaft verlassen mussten, und die 3000 Fuß Höhe hinter uns zurück ließen, auf der wir uns bis dahin befunden hatten. Über die Straßen, durch einige Siedlungen und kleinere Städtchen hindurch, fuhren wir erst einmal 2 Stunden Richtung Süden. Die Umgebung wurde langsam trockener, die Bäume verschwanden, der Boden wurde sandiger und die Luft wurde heißer (nicht, dass es nicht davor schon warm gewesen wäre). Doch bis zum eigentlichen Parkeingang dauerte es dann doch

Der erste Ausblick
ein Stück.  Die Berge wurden steiniger und rauer, grau und teilweise mit einem eigenartigen grün-Stich. Bei einem wunderschönen Aussichtspunkt, der jedoch in Flipflops eher schwierig zu beklettern war, bekamen wir dann den ersten Blick auf die trockene Wüste des Death Valleys. as ich zuvor noch für trocken und tot gehalten hatte, sollte noch trockener und toter werden als es schon war.
Honeybee
Die Straße führte uns die Berge hinunter, bis wir mit dem Auto plötzlich am Beginn einer Strecke standen, die uns Schnur-gerade durch eine Wüstenlandschaft führte, die sandiger, heller und heißer nicht hätte sein können. Das Maximum an Temperatur lag bei 115 Fahrenheit, umgerechnet ca. 46, 1 Grad Celsius. Da wir allerdings in unserem klimatisierten Wagen saßen, bekamen wir die volle Wucht der Hitze erst ab, als ich meine Füße einmal in den schönen Sand stecken wollte. Kaum hatte ich das Auto verlassen, brannten meine Fußsohlen, als stände ich auf glühenden Kohlen, und den Tanz, den ich darauf hin vollführte, hielten meine beiden Reisegefährten eher für einen Freudentanz als einen des Schmerzes. Mit taten die Füße noch den ganzen Tag weh.

110 Fahrenheit = 43,33 Grad Celsius
Hallo in der Unendlichkeit














natürliche Kunst
Es ging weiter, gerade aus, gerade aus, durch sandige Weiten, über flimmernden Asphalt, immer Richtung Berge. Ließen wir eine Bergkette hinter uns, tauchte am anderen Ende des Tals eine neue auf. Und so ging es immer weiter. Bis dahin war ich schon von den unglaublichen Weiten des Death Valleys begeistert gewesen, doch hinter einer weiteren Bergkette tauchten dann auch noch auf der linken Seite ganze Dünen auf, hoch, kitschig, und irgendwie total fehl am Platz. Es sah so aus, als hätte jemand sie dort irrtümlich aufgeschüttet, an einem Platz, fernab von allem. Mit toten Bäumen, die die Straßenränder zierten, und einem Sand, der golden funkelte.
Das Death Valley war auf eine so harte, traurige und tote Weise schön, wie es sich wohl mit keinem Nationalpark in Amerika vergleichen lassen könnte. Und obwohl dies eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp war, den wir noch dazu nutzen, um unseren anual National Park Pass zu bekommen (80$ für ein ganzes Jahr und alle Nationalparks) fand ich diesen Ort doch mit am eindrucksvollsten und am sehenswertesten. Innerhalb von zwei Stunden waren von hohen Tannenwäldern in heiße Wüstenregionen gelangt. Das Extremum der Superlative.

Doch das Death Valley sollte an diesem Tag nicht unser einziges Extremum bleiben, denn es hieß: Vegas Baby! Ich muss dazu direkt sagen, dass ich leider kaum Fotos gemacht habe, was zum einen dran lag, dass mein Weg mich wohl noch mindestens einmal dorthin führen wird und dass ich, zum zweiten, meine Kamera nicht mitnehmen wollte, weswegen es auf einige mickrige Handyfotos hinauslief. Aber das erste kommt direkt:

Die Aussicht von unserer Suite
Wir sind in Vegas im Stratosphere untergekommen, dem Hotel mit dem hohen Turm, auf dem sich eine Achterbahn befindet. Wir wollten es fürs erste klein halten :P. Unverhofft wurden wir dann noch von einem normalen Standardzimmer in eine Suite umgebucht, mit riesigem Bad, King-Size-Bed und Couch, sodass wir alle super gemütlich unterkamen. Naja, es ist halt Vegas, da bekommt man als Studentin halt auch mal einfach ne Suite! :P

Das Stratosphere

Im Bellagio

Venezia - Las Vegas


Qui qui
















Nach einem Happen (Burgen, haha.) ging es dann los in diese verrückte Stadt. Am Tag muss ich sagen, ist Vegas nicht ansatzweise so schön, wie man es sich vorstellen könnte. Es ist eine Stadt, die erst Nachts zu dem wird, was man von ihr kennt. Helle Lichter, verrückte Menschen, blinkende Spielautomaten, teure Geschäfte. Diese Stadt hat mich erschlagen, mit all den Menschen, die niemals müde zu werden scheinen, mit den riesigen Hotels, die man aus Filmen kennt. Versuche ich, darüber nachzudenken, was ich als erstes gesehen oder gedacht habe, kann ich es kaum noch sagen, aber ich glaube es kommt sehr viel mit "Oha", "Wow", und "Oh mannomann" darin vor. Mein Freund Colin mutierte irgendwann in eine Motte, die von allem angezogen wird, was glitzert, und somit war es eher schwierig, ihn nicht aus dem Blick zu verlieren, wenn er wieder hypnotisiert und mit Tunnelblick von einem Licht zum andern rannte und wie eine kaputte Schallplatte wiederholte: Schau mal. Schau mal.
Ob das Hotel Venezia, mit Wasser drumherum und Gondeln, mit hohen, bemalten Decken im italienischen Stil, oder das Bellagio, mit seinen riesigen Spielhallen, bunten Glasblumen und seiner glitzernden Unterwasserlandschaft, oder das Caesars Palace mit seinen 10 riesigen Gebäudekomplexen im altrömischen Stil, ich wurde es nie müde, mich umzuschauen, Ein Zirkuszelt, ein Eifelturm, ja, das war Vegas. Halbnackte Tänzerinnen, wiederauferstandene Elvisse(?). Prüde Amerikaner, die in dieser anonymen Stadt Hemmungen und Schichten fallen lassen. Eine Nacht in Vegas ist wie keine Nacht. Wir ließen uns mit den Massen durch die Stadt treiben, blieben mal hier und mal da hängen, Colin gewann im Belagio 28$, Alicia verlor 8$. Und am Ende fielen wir nach gefühlten 100km laufen und viel zu vielen Eindrücken wie tot ins Bett. Eine weitere Superlative an einem einzigen Tag.

Hoover Dam
Am 13.8.2016 ging es früh am Morgen weiter. Zum einen holte ich mir in Vegas eine amerikanische Simcard, zum anderen musste ich mir neue Flipflops holen, denn ich hatte meine geliebten "Bahnersatzverkehr"-Latschen am Abends zuvor kaputt gelaufen. Dann ging es weiter, dieses Mal Richtung Grand Canyon, einer weiteren Naturgewalt in diesem Land. Auch hier machten wir einen Zwischenstopp, beim sogenannten Hoover Dam, Drehort für Filme wie Transformers. Er befindet sich auf der Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Arizona, und staut den Clorado River zum Lake Mead auf. Er wurde für die Energiegewinnung gebaut und soll eine regelmäßige Wasserzufuhr kontrollieren, da der Colorado River wohl vor dem Bau immer mal wieder für Überschwemmungen gesorgt hat. Aber da auch hier die Luft stand und es einfach nur brüllend heiß war, blieben wir nicht lange.

Guns are welcome - yep, american
Weiter ging es nach Williams, unserer nächsten Unterkunft, etwa eine halbe Stunde vom South Entrance des Grand Canyon entfernt. Unser In, ein richtiges Trucker-Hotel, lag direkt an der Route 66. Bevor wir noch zum Sterne gucken in den Nationalpark fuhren, wollte Colin in ein echtes Diner, als suchten wir uns das aus, was uns am einladensten erschien. Und es lud nicht nur uns ein:

Manchmal sind Amerikaner schon ein Völkchen für sich. Fragen, wie es einem geht, ohne dass sie es interessiert, machen Komplimente, ohne dass sie es ernst meinen. Ich bin einfach zu unfreundlich für dieses Land. Aber ich übe mich im Komplimente machen und warte schon immer darauf, dass mich irgendwer nach meinem Befinden fragt.
Auf jeden Fall haben wir gut gegessen in diesem Diner und es war auch sehr authentisch und gemütlich. Dann ging es ab zum Grand Canyon, mit der Hoffnung auf etwas Sonne, um doch noch einen Blick zu erhaschen, doch als wir dort in der Dunkelheit ankamen, erstreckte sich vor uns zunächst einmal nur eine gähnende Leere, die nicht ansatzweise vermuten ließ, wie groß und Tief diese Weite vor uns zu sein vermochte.
Doch den einen oder anderen Catch konnte ich noch machen, und schnell hatten wir uns auch etwas spaßiges ausgedacht: Lichtermalen.















Aber auch ohne Licht war dieser Abend toll: Grillenzirpen, Sterne schauen, meine Kamera etwas austesten. Und auch hier, am gefühlten Abgrund der Welt, war der Wind auch Nachts noch warm.
Und die Spannung, zu sehen, was am nächsten Tag aus dieser Dunkelheit erstehen würde, wuchs dadurch noch mehr!

Ich stelle gerade fest, dass ich morgen einen Test schreibe und daher besser noch etwas lernen sollte. ;) Daher erhalte ich euch die Spannung für den Grand Canyon und erzähle euch das nächste Mal, was der Roadtrip noch für uns bereit hielt, denn es gibt noch mehr als den Grand Canyon! :)

Ich schicke euch liebe Grüße nach Hause!
Glück auf, eure Silja





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen