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Montag, 12. September 2016

Die erste Woche im Studentenwohnheim - Wolverine Crossing

Heute möchte ich euch etwas darüber erzählen, wie ich mich hier in der ersten Woche meines Aufenthalts als Studentin eingelebt habe.
Es ist schade, dass es schon irgendwie solange her ist, ich muss mich erstmal dran erinnern, was alles war. Aber zunächst einmal zu unserem Studentenwohnheim.
Ich lebe im Wolverine Crossing, das ist ein Wohnkomplex von beachtlichem Ausmaß, zwei Kilometer von der Uni entfernt. Der Link wird euch weiter auf die Seite leiten und ich kann euch versprechen, dass alles wirklich so aussieht, wie es auf der Internetseite ist. Die Häuser sind in knalligen Bonbon-Tönen gestrichen, das Eingangstor erinnert an Disneyland. Zum Wohnheim gehören zwei Pools, ein Whirlpool, ein Beachvolleyball-Feld und ein Basketballfeld, eine LDS Kirche (Mormonen), tausend Parkplätze, ein Fitnessstudio und einige Bushaltestellen sind direkt zu erreichen.
Ich hab mal zwei Bilder von der Website gemoppst:

Am Pool

Der Freizeitbereich
Mein gebastelter Apartment-Plan
Bad
Wohnzimmer
Die gute Seite der Macht
Küche
Ich teile mir das Zimmer mit meinem Roomie Bekah, und das erste, was wir gemacht haben, war, die Tische und die Betten so umzustellen, dass alles nicht unbedingt irgendwie irgendwo stand. Wir haben ein Eck-Apartment, was heißt, dass wir super Glück hatten, weil unser Apartment größer als die anderen ist. Wir teilen und zu viert ein Badezimmer, Malaelele und Briannah, unsere beiden anderen Amerikanerinnen, teilen sich ein Zimmer mit eigenem Bad. Das Wohnzimmer ist riesig, mit zwei großen Sofas, großem Flachbildschirm, und mittlerweile haben wir auch einen DVD-Player und einen Apple TV (den ich lustigerweise direkt in der zweiten Woche auf einer Uni-Party gewonnen hab, ich Glücksente, ich. Wir haben auch nur zwei Tage gebraucht um raus zu finden, was man damit machen können soll...:P). Die Küche ist offen zum Wohnzimmer hin, mit einer halbhohen Wand neben dem Tisch, Spülmaschine, Herd, Bachofen und Mikrowelle plus Riesenkühlschrank. Wobei "Riesig" relativ ist, wenn man drüber nachdenkt, dass da sechs Leute ihren Kram reinstellen sollen.
Überall außer im Bad und in er Küche ist super-flauschiger, neuer Teppichboden, die Wände wurden erst vor kurzem gestrichen. Vor den fenstern sind Mückennetze, und sie lassen sich nach oben aufschieben. Unser Apartment ist im 4. Floor, also ganz oben, und wir haben eine Aussicht auf die Fläche, die das Zentrum des Wohnkomplexes darstellt, mit einer Wiese, einem kleinen Pavillon und Wegen in alle Richtungen. In 2 Minuten sind wir am Pool und am Gym, in 5 Minuten an der Bushaltestelle, in 30 Minuten zu Fuß an der Uni.

Unsere drei Amerikanerinnen sind zum Knuffeln. Malae und Bri studieren ebenfalls an der UVU, Malae auf Lehramt, Bri auf Krankenschwester. Bekah arbeitet hauptsächlich und schreibt sich erst zum Frühlingssemester ein. Die Waschmaschinen und Trockner sind im Erdgeschoss, und egal was ist, alles wird innerhalb eines Tages repariert (unser Klempner kennt uns schon, wir haben schon eine neue Spülmaschine bekommen).

Generell muss sich hier viel getan haben im Wolverine Crossing. Es gab einen Management.Wechsel, davor soll es wohl katastrophal gewesen sein. Aber davon merken wir nichts. Es ist alles super organisiert und die Leute sind hilfsbereit. Für jeden Flur gibt es einen Residental Advisor, meist in unserem Alter, der bei allem möglichen hilft, wie zum Beispiel, wenn man einen Staubsauger braucht. Ich kann echt nur sagen, dass ich mich wirklich wohl hier fühle. :)

Und die erste Woche hier im Wolverine Crossing ging auch direkt richtig ab. 5 Tage lang, von Mittwoch bis Sonntag, gab es jeden Abend Programm.

1. Tag, 17.08.
Ganz viele Vitamine!
Es begann mit einem Aloha-Dinner am ersten Tag. Lampions wurden aufgehängt, Infotische aufgebaut, alles wurde geschmückt. Direkt am Pool wurden Tische aufgestellt, wo es Pulled Pork, Salate, Reis und und und zu essen gab. For free. Meine Neuentdeckung: Snow Cones/ oder auch italienisches Eis. Dafür kratze man seinen Gefrierschrank aus, schütte süßen Sirup darüber, und fertig. Je süßer und bunter, desto besser!
Gleichzeitig bekamen wir T-Shirts, ein Mormonen-Paket, inklusive Jesusbild, und lernten direkt einen ganzen Haufen neuer Menschen kennen. Die typische Fragereihenfolge:
Wie heißt du?
Woher kommst du?
Ich wollte auch schon immer mal nach Deutschland! Wo genau wohnst du?
Mhm...kenn ich nicht. Aber warum bist du ausgerechnet in UTAH? :D

Und ich schwöre es, so spielt sich das eigentlich immer ab! Ziel dieses ersten Abend war es, erst einmal rauszufinden, wo wir eigentlich gelandet waren. Wir leben in Gebäude F, das schränkte also schoneinmal ein, wen man vermutlich öfter treffen würde. Der untere Flur unseres Hauses wurde übrigens aufwendig geschmückt, im mexikanischen Stil. Die Fenster waren verdunkelt, überall hingen blinkende Lichterketten. An die Wände befestigt standen Europaletten, die so geschmückt waren, dass sie aussahen wie kleine Minibars. Sombreros hingen von den Decken, Totenköpfe lagen mal hier, mal da. Das ganze in warmen, orange-rot und gelben Tönen gehalten, richtig schnuckelig.

2. Tag, 18.08.
Apartment Maskottchen Hibiscus 
Während des Tages mussten wir uns erst einmal darum kümmern, Essen und fehlende Dinge wie Klobürsten zu besorgen. Wir hatten an dem Tag, als wir in Orem ankamen, vier große Kisten mit Bettzeug, Küchenkram und Badezimmerutensilien bekommen. Aber natürlich fehlt dann doch wieder irgendwas. Heißt, obwohl wir an diesem Tag lieber am Pool gelegen hätten, führte uns der Weg zwei Mal in den Walmart, wo wir nicht nur Geld, sondern auch viele Nerven ließen. Walmart ist meine persönliche Hölle. Riesig riesig groß, wie allem an Kram was man will oder auch nicht will. Nicht meins. Echt nicht.
Abends folgte dann Party Nummer 2. Weil wir allerdings erst recht spät los gingen und irgendwie noch nicht mitbekommen hatten, dass die "Partys" immer nur bis Mitternacht gingen, damit man den Fünf-Tage-Marathon durchhält, war dieser Abend für uns nicht all zu lang. Es war Meet S`More People. Ein Wortspiel, denn "Smores" ist eine Süßigkeit hier, für die ich eine Art Hass-Liebe entwickelt habe. Man nehme dafür einen Marshmallow, röste ihn über dem Feuer, nehme ein Stück Schokolade und zwei Kekse, mache daraus ein Sandwich und belege es dann noch mit Obst, falls man sich bewusst ernähren möchte. Nach zwei Stück war mir schlecht. Das ist einfach süß, süß, süß. Aber amerikanisch. :D Aber man kommt nicht an Smores vorbei. Sie sind überall.

3. Tag, 19.08
Roomies (und Colin :P )
An diesem Tag hieß es Abschied nehmen von Colin. Um 14 Uhr ging sein Flieger, das hieß, um 11 Uhr nach Salt Lake City losfahren. Abschiede sind nie schön, mein Vorteil war, dass der Tag noch eine Menge an Aufgaben für mich bereit hielt. Zurück im Apartment wuselten wir dann weiter vor uns hin,  und fanden ein paar entspannte Stunden am Pool. Der Abend gehörte dem Benefit Concert & Food Trucks. Lokale Musiker traten hier auf, dafür wurde auf dem Parkplatz eine Bühne aufgebaut. Es gab Food Trucks, unter anderem mit mexikanischem Sushi, und um auf das Gelände zu kommen konnte man entweder 2$ bezahlen oder eine Konservendose Essen mitbringen.
Die Bands, die auftraten, kannte ich persönlich nicht, doch scheinbar gibt es hier eine riesige Musikszene, aus der unter anderem Bands wie Imagine Dragons hervorgetreten sind. Aufgetreten sind Strange Familia, Emily Bae, Foreign Figures und Emissary. Die beiden Mittleren waren meine beiden Favoriten, und besonders Foreign Figures solltet ihr euch mal
anhören. http://foreignfigures.com
Die Stimmung war auf jeden Fall fantastisch! Im Hintergrund spielten Leute Basketball und Volleyball, vor der Bühne hüpfte und tanzte alles. Ein klarer Sternenhimmel, warme Luft, eine perfekte Sommernacht. Wir trafen zwei Amerikaner, die fast fließend deutsch sprachen einer von ihnen trug ein BVB-Trikot, der eigentliche Grund, weswegen wir auf sie aufmerksam wurden. Lieblingsspieler? Da hatte er dann doch keine Ahnung. :D

4. Tag, 20.08
Favourite Place to be
Pool. Pool. Geliebter Pool. Das Wetter hier war einfach fantastisch, jeden Tag bis zu 30 Grad, einfach ideal, um die Zeit in einem sprudelnden Hot Tub zu genießen oder sich zu sonnen. Der Plan war erst, Abends zum vierten Event zu gehen, der Escape Dance Party & Soda Bar. Allerdings lief es dann
anders als gedacht. Bryn fuhr mit uns zunächst zu einem Aussichtspunkt oberhalb der BYU, der Brigham Young University, auch die Uni der Mormonen genannt. In deren Studentenwohnheimen dürfen sie nicht einmal Kaffee beziehungsweise Koffein haben. Was ist das für ein Leben. Amen, das sage ich euch...
In der Halbdämmerung erstreckte sich Orem vor uns, in einer Kulisse aus Bergen, vielen kleinen, strahlenden Lichtern, der roten Sonne und dem riesigen Provo Lake im Hintergrund. Die Umgebung ist einfach traumhaft, auf ihre Art wild und einsam.
Danach war der Plan, Freunde von Bryn zu besuchen, namentlich: Pat, Stefan und Clint. Die Namen dürften euch aus meine Geburtstagspost bekannt sein. Die drei Wohnen zusammen in einer WG in Clints Haus, und bilden ein wirklich verrücktes Trio. :) Wir verbrachten alle zusammen den Abend, bewiesen unsere Gitarrenkünste, ließen uns eine Einführung für Kletterausrüstung geben (Pats Hobby ist Rock Climbing) und hörte den ein oder anderen guten Witz über Meister-Köder etc. Zudem versuchten wir, herauszufinden, was es mit dem Kaffee- und Tee-Verzicht der Mormonen auf sich hat und bekamen eine äußerst interessante Geschichte darüber zu hören, dass man wohl nach der Titanic-Katastrophe Fußbälle gefunden hat, von denen man rausfand, dass es sich dabei um die Mägen Ertrunkener handelte, die sich aufgrund von zu viel Tee-Konsum aufgebläht hätten. Eine sehr interessante Theorie, der man mal nachgehen könnte (sagte sie, und trank einen großen Schluck Darjeeling). Naja, das Mormonentum hat sich wohl für mich schon alleine deswegen erledigt. :P
Eine neue Dimension der Süße

5. Tag, 21.08.2016, Sonntag
Dieser Tag markierte den letzten Tag der ersten Woche, und den letzten Tag meines Urlaubs. Am nächsten Tag sollte es mit der Uni los gehen, aber dazu komme ich ein anderes Mal, denn auch, wenn ich schon viel von der Uni erzählt habe, gibt es weit aus mehr als das, was ich bis jetzt beschrieben habe.
Nach einem langen Schlaf und einem Sprung in den Pool, gehörte dieser letzte Abend den Sundae Sweets.
Und nach den Smores dachte ich bereits, die höchste Stufe an Süß erreicht zu haben. Tja, weit gefehlt. Ich bekam ein Schokoeis, mit Schoo-Karamel Sauce, mit Smarties und Sahne. Und da hier alles generell schon mal einen Tacken süßer als süß ist, was das nochmal ein Knaller.
Wir konnten dann noch einen ganzen Eimer Chocolate Chip abstauben, der auch innerhalb von vier Tagen komplett vernichtet war. Der Heißhunger auf Süßes wird hier irgendwie nur noch angespornt.
Mit einem Zuckerschock hieß es dann: ab ins Bett, bereit machen für den ersten Tag Uni.

Soweit dazu. :) Ich hoffe, dieses Durcheinander an Infos hat für euch irgendeinen Sinn gemacht. Es ist gar nicht so einfach, sich alle Infos aus dem Gedächtnis abzurufen, wenn man erst Wochen später darüber nachdenkt.
Bis ganz bald, und Glück auf!
Eure Silja

Sonntag, 11. September 2016

Mein Geburtstag: Pancakes, 9mm, heiße Quellen und Sternschnuppen

Obwohl ich gerade eigentlich an einem anderen Eintrag arbeite, muss ich doch einen kurzen Einschub machen: meinen Geburtstag am 09.09.2016

Awesome movie
Eigentlich fing es schon am 08.09. an. Ich hatte mir so vorgestellt, mit meinen Roomies vielleicht entspannt mit einem Film reinzufeiern, aber daraus sollte nichts werden. Malae und Bri waren unterwegs, Bekkah war verschwunden, und Lara und Alicia schienen Gruppentreffen mit Leuten aus der Uni zu haben. Bryn musste einem Freund bei einem Umzug oder ähnlichem helfen. Den ganzen Abend. Toll.

Die Partycrew
Glücklicherweise meldeten sich dann Stefan und Pat, zwei Jungs, die wir durch Bryn kennen gelernt haben und fragten, ob jemand Lust hätte, mit ihnen ins Kino zu gehen, "The Legend of Tarzan". Da Bryn nur meinte, dass ich doch mitgehen sollte, und ich mich sonst den ganzen Abend auf dem Sofa rumhängen sah, ging ich mit. Meiner Meinung nach ein super guter Film, auch wenn ich andere Meinungen gehört habe. Aber ich kann ihn echt nur empfehlen!

Wir kamen dann um ca. 10pm zurück, und dann hieß es, noch schnell zum Walmart und Zutaten für Kuchen kaufen, denn den hatte ich meinem Kurs versprochen. Auf dem Rückweg verhielt sich Bryn dann ausgesprochen eigenartig, im Fahrstuhl hatte er Spaß daran, einmal den Knopf für jede Etage zu drücken, was mir dann doch recht auf den Keks ging, aber ich dachte mir dann auch nichts dabei. (Hab dich lieb, Bryn :P )

Mein eigenes UVU Shirt *.*
Als ich dann die Wohnungstür öffnete, war es stockduster und ich lief erstmal in ein Gebamsel aus Luftschlangen hinein, die wie Lianen von der Decke hingen. Plötzlich schaltete dann jemand das Licht an und die Mädels, sowie Pat und Stefan, hüpften hinter den Tischen hervor und riefen "Überraschung".  Gut, dass es noch gar nicht Mitternacht war, aber es war trotzdem genial! :) Der ganze Raum war voller Luftballons und an den Wänden hingen eine Girlande und ein riesiges Happy Birthday Poster. Die restliche Stunde verbrachte ich dann damit, den Kuche zu backen, und um Mitternacht wurde ich dann mit einer schokoladigen Schokotorte mit 22 Kerzen überrascht, und alle schmetterten wunderschön ein "Happy Birthday" für mich. Wann sie das alles organisiert hatten?
Keiner von diesen Menschen hatte an dem Abend wirklich was vorgehabt. Heißt, während die Jungs mich mehr oder minder geplant ins Kino entführt hatten, hatten die anderen sich um den Kuchen gekümmert. Während in dann im Walmart war, wurde hier gebastelt. Tja, hab ich alles nicht mitbekommen. Bird up, würde ich sagen.

Thanks to the best folks!
Meine Roomies und die Jungs hatten sich dann auch echt tolle Geschenke für mich ausgedacht. Eine Trinkflasche von der UVU, da ich meine erste verloren habe und die zweite ständig vergesse. Ein UVU Shirt, in das ich mich von Anfang an verguckt hatte. Ein Holzschild mit der Definition für das Wort "believe", das ich in einem Laden der BYU, einer weiteren Uni hier in der Nähe entdeckt hatte. Ein kleines Schminkset, das ich mir fast selbst geholt hätte und einen Bilderrahmen.
Das würde ich mal als Beispiel guter Recherche und Beobachtung bezeichnen! Danke, ihr habt es einfach genau getroffen!!! :)

Am nächsten Morgen hieß es erstmal, die Tausend Nachrichten zu beantworten, denn das war wohl mein längster Geburtstag jemals, von 32 Stunden (aufgrund der Zeitverschiebung). Um 9 ging es in die Uni, wo jeden Freitag umsonst Pancakes verteilt werden. Yummie! Meine liebste Lara meinte dann, den hochmotivierten Pancake-Bäcker darauf hinweisen zu müssen, dass ich Geburtstag habe. Daraufhin schnappte sich dieser das Mikro und animierte die ganze versammelte Studentengemeinde, die eigentlich eher damit beschäftigt war, ihre Pancakes zu schnabulieren, mir ein Ständchen zu singen. Ja, ich liebe es wenn mich ein Haufen Menschen anstarrt! :D Zu meiner Ehre spielte er dann noch das Lied "22" von Taylor Swift. Dieses Lied hörte in an diesem Tag übrigens noch öfter, es scheint das inoffizielle Geburtstagslied für 22-Jährige zu sein.
Im Unterricht verteilte ich dann meinen Kuchen, und mein lieber Spanisch-study-buddy Peseta gab uns dann einen Lift nach Hause. Schnell was gegessen, und dann ging es schon weiter.
Für den Nachmittag hatten wir uns überlegt, american style, eine Runde schießen zu gehen. Also fuhren wir  ( Bryn, Lara, Alicia und ich) los, mitten in die Pampa, in ein abgesperrtes Gebiet. Bryn hatte die Munition und die Knarren mitgebracht, sowie kleine Mini-Frisbees aus Ton zum Schleudern und volle Getränkedosen, denn es macht nur Spaß, wenn die so richtig schön explodieren. Ja, das ist Amerika!

Mein Bewerbungsfoto, damit ich ein einem Marvel-Film mitspielen kann... :)
Dabei hatten wir also eine 9mm, und eine Schrotflinte. Da hält man so ein kleines Dings in der Hand, eine Mischung aus Plastik und Metall, und stopft da eine Patrone rein, und plötzlich ist man Herrscher über Leben und Tod. Im übertragenden Sinne. Vor meinem ersten Schuss lief mir die Suppe wortwörtlich rauf und runter, so nervös bin ich sonst höchstens vor einer Klausur. Schwitzige Hände, für jede Amerikaner wäre ich wohl in dem Moment eine tonlose Comdeyshow gewesen. Die ersten Schüsse auf die armen Pepsi-Dosen gingen dementsprechend auch erstmal voll daneben. Doch von Mal zu Mal wurde es besser, die Haltung wurde vertrauter, die Schultern entspannter und der Rückstoß kam nicht mehr so überraschend. Auch, wenn ich trotzdem ab und zu die Augen zurdückte, wenn mir die Patronenhülse mal wieder knapp am Ohr vorbeiflog. Die 9mm würde ich jetzt nicht als meinen besten Freund bezeichnen, aber als guten Bekannten. Anders die Schrotflinte.
getroffen
Dieses Höllengerät wog nicht nur unglaublich viel, sondern war auch so schwer zu laden, dass Bryn mir dabei helfen musste. In einer vermutlich nicht so gesunden Haltung versuchte ich dieses Ding dann so gut es ging auf eine Dose zu richten, doch weil es so schwer war, kippte es immer automatisch nach unten. Als ich dann schoss, drückte sich das Gewehr in meine Schulter, als hätte mir jemand davor geschlagen. Nein, nein, ich brauch ne Frauen-Pistole. Also zurück zur 9mm.
Munter schossen wir also auf Dosen und fliegende Frisbees, und die Zeit verging weitaus schneller als gedacht. Es war echt ein riesen Spaß, und ich fühle mich jetzt weit aus amerikanischer und unabhängiger und gefährlicher als jemals zuvor. Trotzdem: BRAUCHT man eine Pistole? Nein. So zum Spaß ist das eine lustige Sache, aber vergessen, dass diese Teile zum Töten erfunden wurden, kann ich trotzdem nicht.

Zurück im Apartment hieß es, Schwimmsachen einpacken und dann zuerst zum Chick-fil-A, einem Fast Food Restaurant, das ich mir eigentlich nur deswegen ausgesucht hatte, weil alle es so toll finden. Und es war auch echt super lecker, das böse Fast Food. Vor Ort trafen wir Pat, Stefan und Bekkah, sowie einen Kommilitonen aus einem meiner Unikurse, der für mich bestellt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich wollte. Schnell gegessen, und dann hieß es: nach American Fork zu den heißen Quellen.
Um halb 10 Abends waren wir dann dort. Einen kleinen Weg entlang spaziert, unter einem wolkenlosen Sternenhimmel, und dann standen wir vor einem dampfenden Wasserloch. Oh, und es war einfach fantastisch! Als Überraschung hatten die Mädels eine Flasche Sekt mitgebracht, aber es lief darauf hinaus, dass Alicia und ich uns zu zweit daran erfreuten. Mormonen und so. :) Des weiteren hatten sie Knicklichter mitgebracht, damit wir uns im Dunkeln alle wiederfinden konnten. Es war herrlich! Mitten in der Nacht unter einem Sternenhimmel in einer heißen Quelle zu schwimmen ist schon echt etwas, was jeder mal gemacht haben sollte. Absoluter Wiederholungsbedarf! Das Highlight waren dann noch zwei Sternschnuppen. Aber solche Sternschnuppen habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Sie waren so unglaublich groß und nah, dass man sie brennen sehen konnte, und es wirkte, als würden sie gar nicht weit entfernt auf die Erde stürzen. Die Sternschnuppe war so gleißend hell, dass sie für einen kurzen Moment den ganzen Himmel erleuchtete. Schöner konnte es einfach nicht mehr werden. Es war einfach der perfekte Abschluss. Wir blieben bis Mitternacht und machten uns dann, doch recht müde, auf nach Hause.

 Geburtstag nicht zu Haue zu feiern ist immer eine besondere Sache. Und diese Sache war bei mir einfach perfekt. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe den Tag mit unglaublich tollen Leuten verbracht. Ich habe neue, verrückte Dinge ausprobiert, und ich glaube ich habe noch nie meinen Geburtstag so ausgenutzt wie dieses Jahr. Danke an meine Roomies Bri, Malae, Bekkah, Lara und Alicia, und an die Jungs, Bryn, Pat, Stefan und auch Clint. :) You guys are awesome!
Danke auch an alle, die an diesem Tag an mich gedacht haben und mir ihre Glückwünsche geschickt haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut!!!

Haltet Ausschau nach dem nächsten Post, denn wir hängen mittlerweile etwas hinterher. ;) Es fehlt noch so viel, aber ich wollte euch erst an diese neuen, frischen Eindrücken teilhaben lassen!
Bis ganz bald, Glück auf,
eure Silja





Sonntag, 4. September 2016

Roadtripp III - Höher, schneller, weiter (oder "Der Traum von Selbstverständlichkeit")

Bis zum Horizont
Nummer drei meines Roadtrips. Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, beim Grand Canyon, die erste Nacht, Grillenzirpen, Sternegucken. Aber nur in eine bodenlose Dunkelheit zu starren war natürlich nicht der Plan.
Also hieß es am nächsten Morgen, früh raus aus den Betten unseres Trucker-Hostels, ab ins Auto und innerhalb einer halben Stunde in den Grand Canyon zum South Entrance, dem wohl bekannteren Eingang des Grand Cayon National Parks ( Nationalpark-Pass nicht vergessen!).
Die Nacht davor war dieser weite Teil zu unseren Füßen einfach nur in eine undurchdringliche Schwärze getaucht, kein einziges Licht war dort unten zu sehen gewesen. Doch am helligten Tag brach dort hinter den Büschen und den kleinen Bäumchen plötzlich ein Teil der Welt ab. Fast berechenbar, sauber und genau, schien der Grand Canyon irgendwann einmal beschlossen zu haben, kollektiv einige hunderte Meter in die Tiefe fallen zu wollen. Diese gebirgige Fläche, mit den fast symetrischen Bergen, paralell und horizontal verlaufenden Steinschichten in rot, grau und braun, tat sich plötzlich und unerwartet vor einem auf. Es ging kein Hügel hinunter in dieses Tal, noch schien es wirklich ein Tal zu sein. Es wirkte einfach, als hätte der Gott Thor mit seinem Hammer auf diese Stelle geschlagen und sie so einfach etwas tiefer in die Erde hinein gedrückt, sodass es einen glatten Bruch zwischen der grasigen Landschaft, die wir zuvor durchfahren hatten, und diesem steinigen Ungetüm gab.
Wir wanderten zunächst einmal die Stellen entlang, die wir bereits am Vortag besucht hatten, und genossen die Aussicht und den frischen Wind, der einem hier um die Nase blies. Ohne eine Absperrung luden die kleinen Mini-Steinplateaus immer wieder dazu ein, sein Leben zu riskieren, um einen Blick über die Kante und in die Tiefe zu werfen. Living on the edge. Mich würde es nicht wundern, wenn hier einige wagemutige Schaulustige schon mal zu weit über den Tellerrand geblickt hätten und in den Tiefen des Steinspalten verschwunden sind.
Eindruck
Das Auto konnten wir auf einem der großen Parkplätze stehen lassen, um den weiteren Teil des Parks zu besuchen, den man nur mit dem Shuttel anschauen konnte. Dieses fuhr an der Abbruchkante entlang und offenbarte immer wieder neue Ausblicke, wie beispielsweise auf den Colorado River, der von hier oben doch recht schmächtig aussah. Doch an dieser Aussicht kann man sich nicht satt sehen.
In die andere Richtung des Parks, nach Osten, ging es wieder mit dem Auto, zwischendurch mit tierischen Begegnungen: man merkt, wenn es etwas interessantes zu schauen gibt, wenn plötzlich vor einem auf der Straße mehrere Autos anhalten oder nur im Schritttempo langsam weiter rollen, wenn Kameras und GoPros und Selfiesticks ausgepackt werden und die Menschen im Entengang durch die Büsche kriechen. Und das taten wir auch. Ausgestiegen, hingeschaut. Ein riesiger Hirsch stand ganz entspannt zwischen den Bäumen, schüttelte sein prächtiges Geweih und schien sich offensichtlich der Aufmerksamkeit zu erfreuen, die er auf sich zog.

Magisch
Wie leicht der Mensch doch zu begeistern ist. Es ist schon fast traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass dieses Tier keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint, sonder etwas, von dem man sagt: "Ob wir so etwas wohl jemals nochmal sehen werden?". Dieser Gedanke kam mir während unseres Trips schon einige Male. "Werde ich diese Aussicht wohl jemals noch einmal genießen können? Werde ich in meinem Leben je noch einmal hier her kommen? Schade, dass ich diese Menschen wohl das letzte Mal gesehen habe." Es stimmt mich nachdenklich, dass etwas so natürliches und schönes wie die Nationalparks hier, aber auch die in anderen Ländern der Welt wie in meiner zweiten Heimat in Malawi (silja-malawi.blogspot.com) erst zu einem Ort werden müssen, für den man Eintritt zahlt, obwohl diese Orte da sind und immer da waren. Und das, nur um sie vor Zerstörung und vielleicht auch vor dieser Selbstverständlichkeit zu schützen, mit der der Mensch annimmt, dass ihm die ganze Welt gehört. Hoppla, das war jetzt ein emotionaler Ausflug in mein Unterbewusstsein, das zu gerne philosophiert. :)
Der Hirsch. Ja, ich muss sagen, das hat mich wirklich berührt, wie er d so einsam in seinem Wald stand, umgeben von Paparazzis. Aber irgendwann ist der Mensch gelangweilt und sucht sich etwas neues Aufregendes. Also ging es weiter, zu einem Aussichtsturm, schon etwas älter, steiniger, mit zu niedrigen Decken, sodass Colin beim Hinaufklettern den Kopf einziehen musste. Die Aussicht auf den Canyon verändert sich ständig, hinter jeder Felskluft verbirgt sich... eine neue! Immer wieder der Colorado River, dessen glitzerndes Wasser sich einen Weg durch die steinige Landschaft gräbt.
7.30pm
Für den Sonnenuntergang verschlug es uns dann an einen kleineren Aussichtspunkt, mit felsiger Kante. Da wir eine Stunde vor dem Untergang da waren, konnten wir unsere Kameras gut platzieren, um wenigstens einen schönen Schuss davon zu erhaschen, was sich um 7.20 Uhr Abends am Horizont ereignen sollte. Neben uns hatte sich ein sehr netter Profi-Fotograf von der Ostküste positioniert, zusammen mit seiner Familie, der mir schnell ein paar gute Tipps für die Kameraeinstellung gab. Ich bin gespannt, wenn er uns seine Bilder schickt, Amerikaner sind einfach zu nett. ;)
Je mehr Touris kommen, desto sicherer kann man sich sein, dass etwas passiert. Es ist das selbe wie mit dem Hirsch, nur dieses Mal war es die Sonne. Eine Selbstverständlichkeit, und doch so etwas besonderes in einem Moment wie diesem.


Sundown
Der nächste Tag sollte hauptsächlich unsere Fahrt zum Zion National Park in Anspruch nehmen, mit einem kurzen Abstecher am North Rim des Grand Canyos. Über diesen Punk
Bisons
t möchte ich nicht so viele Worte verlieren, außer dass der Aussichtspunkt viel kleiner, der Canyon grüner, der Wind stärker und der Tag kälter war. Colin wurde einmal fast von einem Plateau geweht und ab da an haben wir beschlossen, dass es nett wäre, wenn wir alle lebend den Ausflug beenden würden. Das Highlight: eine riesige Herde Bisons, die auf dem Weg zum North Rim vor uns die Straße überquerten, mit süßen kleinen Mini-Büffeln. Sie waren einfach süß, so.




Nachthimmel
Für unseren Aufenthalt im Zion blieben wir in der Stadt Hurricane, und wie schon zwei Tage davor verschlug es uns noch nach einem guten Thai-Abendessen in die Nacht des Nationalparks.
Unter einem Sternenhimmel zwischen den dunklen Silhouetten steiler Felswände hindurch zufahren hat seine ganze eigene Magie. Die Straßen schlängeln sich dann um die Berge herum, und es hat etwas von einem Abenteuer, nicht zu wissen, wolang man fährt und wo man ankommt. Immer wieder hielten wir, legten uns auf die Erde oder auf Steinblöcke und versuchten uns am perfekten Bild, oder ließen einfach nur die Stille auf uns wirken.

Die Schönheit liegt im Detail
Eine Oase in der Wüste
Am nächsten Morgen erst sahen wir, wo wir eigentlich lang gefahren waren. Mit hohen roten Bergen rechts und links ist der Zion National Park ein Canyon, der für mich all die vorherigen Parks in sich vereint: Wüste, Wasser, Wald. Der Park vereint in sich all diese Gebiete, weswegen er mein persönlicher Favorit ist. Er ist nicht zu groß, hat kleine, schöne Wanderwege und unglaublich viele wunderbare Details, wie Wasserfälle, versteckte Schluchten und kleine Tümpel. Durch diesen Canyon fließt in kitschiger Idylle der Virgin River, der bis nach Las Vegas fließt und 40 Meilen von hier irgendwo in den Bergen seinen Ursprung hat. Grüne Bäume, rote Erde und felsige Wege machen diesen Park aus und verwandeln ihn in eine kleine Oase inmitten der Wüste, in der er liegt.
 Wieder hieß es, das Auto an einem Punkt stehen zu lassen und mit dem Bus loszufahren, um die exquisiten Ecken des Parks zu erreichen. Bei strahlendem Sonnenschein (wie sollte es anders sein), kraxelten wir die Berge hinauf, zu Wasserfällen, Wasserlöchern und immer der Sonne entgegen. Vorbei an Kakteen und anderen Touristen, die sich schnaufend und schwitzend den Weg an Steinwänden vorbei suchen, um schlussendlich bei einem der Wasserlöcher halt zu machen und Bagel und Zimtschnecken zu verputzen.
Country Roads
( Das mit dem Brot ist eine Katastrophe hier, ich könnte darüber seitenweise schreiben)

Lieblingsfarbe
Unten angekommen, gönnten wir uns dann eine Pause mit riesigem Softeis und Literweise Cola (natürlich ohne Zucker. Haha.) um dann noch einen letzten Stopp bei einem Punkt zu machen, von dem man den White Throne und Angels Landing sehen konnte, zwei Berge, die mit zu den Sehenswürdigkeiten gehören. Angels Landing heißt so, weil der erste Manager des Parks einen Aussichtspunkt für Besucher schaffen wollte, von dem aus sie den ganzen Canyon sehen könnten, aber seine Freunde hielten ihn für verrückt und sagten, dass dieser Punkt auf dem Berg so hoch sei, dass nur Engel darauf landen könnten. Für Wagemutige und Menschen mit Kondition ist der Punkt erreichbar. Ich blieb, aus diesen Gründen, daher lieber auf dem Boden und schlug mich mit meinen Mitreisenden durch das Gebüsch, um am Virgin River den Weg zurück zum Auto anzutreten. Zurück zum Auto, und zurück in die Zukunft, denn auf unserer Reise sind wir durch eine der Zeitzonen gefahren, was bedeutete, dass wir auf unserem Rückweg noch eine Stunde an die Zeit verloren.









Orem, Utah. USA. Hier ist für die nächsten vier Monate mein Zuhause. Und hier kann mich jeder, der mich sucht, in der nächsten Zeit finden. Also: go for it. ;) Die nächsten Blogeinträge haben auch schon ihre Themen: Die erste Woche im Studentenheim, die ersten Wochen Uni, Verrücktes Amerika und die Religion, die hier gelebt wird. Also bleibt dabei, der nächste Eintrag kommt. ;)
Glück auf,
eure Silja


See ya