 |
| Bis zum Horizont |
Nummer drei meines Roadtrips. Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, beim Grand Canyon, die erste Nacht, Grillenzirpen, Sternegucken. Aber nur in eine bodenlose Dunkelheit zu starren war natürlich nicht der Plan.
Also hieß es am nächsten Morgen, früh raus aus den Betten unseres Trucker-Hostels, ab ins Auto und innerhalb einer halben Stunde in den Grand Canyon zum South Entrance, dem wohl bekannteren Eingang des Grand Cayon National Parks ( Nationalpark-Pass nicht vergessen!).
Die Nacht davor war dieser weite Teil zu unseren Füßen einfach nur in eine undurchdringliche Schwärze getaucht, kein einziges Licht war dort unten zu sehen gewesen. Doch am helligten Tag brach dort hinter den Büschen und den kleinen Bäumchen plötzlich ein Teil der Welt ab. Fast berechenbar, sauber und genau, schien der Grand Canyon irgendwann einmal beschlossen zu haben, kollektiv einige hunderte Meter in die Tiefe fallen zu wollen. Diese gebirgige Fläche, mit den fast symetrischen Bergen, paralell und horizontal verlaufenden Steinschichten in rot, grau und braun, tat sich plötzlich und unerwartet vor einem auf. Es ging kein Hügel hinunter in dieses Tal, noch schien es wirklich ein Tal zu sein. Es wirkte einfach, als hätte der Gott Thor mit seinem Hammer auf diese Stelle geschlagen und sie so einfach etwas tiefer in die Erde hinein gedrückt, sodass es einen glatten Bruch zwischen der grasigen Landschaft, die wir zuvor durchfahren hatten, und diesem steinigen Ungetüm gab.
Wir wanderten zunächst einmal die Stellen entlang, die wir bereits am Vortag besucht hatten, und genossen die Aussicht und den frischen Wind, der einem hier um die Nase blies. Ohne eine Absperrung luden die kleinen Mini-Steinplateaus immer wieder dazu ein, sein Leben zu riskieren, um einen Blick über die Kante und in die Tiefe zu werfen. Living on the edge. Mich würde es nicht wundern, wenn hier einige wagemutige Schaulustige schon mal zu weit über den Tellerrand geblickt hätten und in den Tiefen des Steinspalten verschwunden sind.
 |
| Eindruck |
Das Auto konnten wir auf einem der großen Parkplätze stehen lassen, um den weiteren Teil des Parks zu besuchen, den man nur mit dem Shuttel anschauen konnte. Dieses fuhr an der Abbruchkante entlang und offenbarte immer wieder neue Ausblicke, wie beispielsweise auf den Colorado River, der von hier oben doch recht schmächtig aussah. Doch an dieser Aussicht kann man sich nicht satt sehen.
In die andere Richtung des Parks, nach Osten, ging es wieder mit dem Auto, zwischendurch mit tierischen Begegnungen: man merkt, wenn es etwas interessantes zu schauen gibt, wenn plötzlich vor einem auf der Straße mehrere Autos anhalten oder nur im Schritttempo langsam weiter rollen, wenn Kameras und GoPros und Selfiesticks ausgepackt werden und die Menschen im Entengang durch die Büsche kriechen. Und das taten wir auch. Ausgestiegen, hingeschaut. Ein riesiger Hirsch stand ganz entspannt zwischen den Bäumen, schüttelte sein prächtiges Geweih und schien sich offensichtlich der Aufmerksamkeit zu erfreuen, die er auf sich zog.
 |
| Magisch |
Wie leicht der Mensch doch zu begeistern ist. Es ist schon fast traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass dieses Tier keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint, sonder etwas, von dem man sagt: "Ob wir so etwas wohl jemals nochmal sehen werden?". Dieser Gedanke kam mir während unseres Trips schon einige Male. "Werde ich diese Aussicht wohl jemals noch einmal genießen können? Werde ich in meinem Leben je noch einmal hier her kommen? Schade, dass ich diese Menschen wohl das letzte Mal gesehen habe." Es stimmt mich nachdenklich, dass etwas so natürliches und schönes wie die Nationalparks hier, aber auch die in anderen Ländern der Welt wie in meiner zweiten Heimat in Malawi (silja-malawi.blogspot.com) erst zu einem Ort werden müssen, für den man Eintritt zahlt, obwohl diese Orte da sind und immer da waren. Und das, nur um sie vor Zerstörung und vielleicht auch vor dieser Selbstverständlichkeit zu schützen, mit der der Mensch annimmt, dass ihm die ganze Welt gehört. Hoppla, das war jetzt ein emotionaler Ausflug in mein Unterbewusstsein, das zu gerne philosophiert. :)
Der Hirsch. Ja, ich muss sagen, das hat mich wirklich berührt, wie er d so einsam in seinem Wald stand, umgeben von Paparazzis. Aber irgendwann ist der Mensch gelangweilt und sucht sich etwas neues Aufregendes. Also ging es weiter, zu einem Aussichtsturm, schon etwas älter, steiniger, mit zu niedrigen Decken, sodass Colin beim Hinaufklettern den Kopf einziehen musste. Die Aussicht auf den Canyon verändert sich ständig, hinter jeder Felskluft verbirgt sich... eine neue! Immer wieder der Colorado River, dessen glitzerndes Wasser sich einen Weg durch die steinige Landschaft gräbt.
 |
| 7.30pm |
Für den Sonnenuntergang verschlug es uns dann an einen kleineren Aussichtspunkt, mit felsiger Kante. Da wir eine Stunde vor dem Untergang da waren, konnten wir unsere Kameras gut platzieren, um wenigstens einen schönen Schuss davon zu erhaschen, was sich um 7.20 Uhr Abends am Horizont ereignen sollte. Neben uns hatte sich ein sehr netter Profi-Fotograf von der Ostküste positioniert, zusammen mit seiner Familie, der mir schnell ein paar gute Tipps für die Kameraeinstellung gab. Ich bin gespannt, wenn er uns seine Bilder schickt, Amerikaner sind einfach zu nett. ;)
Je mehr Touris kommen, desto sicherer kann man sich sein, dass etwas passiert. Es ist das selbe wie mit dem Hirsch, nur dieses Mal war es die Sonne. Eine Selbstverständlichkeit, und doch so etwas besonderes in einem Moment wie diesem.
 |
| Sundown |
Der nächste Tag sollte hauptsächlich unsere Fahrt zum Zion National Park in Anspruch nehmen, mit einem kurzen Abstecher am North Rim des Grand Canyos. Über diesen Punk
 |
| Bisons |
t möchte ich nicht so viele Worte verlieren, außer dass der Aussichtspunkt viel kleiner, der Canyon grüner, der Wind stärker und der Tag kälter war. Colin wurde einmal fast von einem Plateau geweht und ab da an haben wir beschlossen, dass es nett wäre, wenn wir alle lebend den Ausflug beenden würden. Das Highlight: eine riesige Herde Bisons, die auf dem Weg zum North Rim vor uns die Straße überquerten, mit süßen kleinen Mini-Büffeln. Sie waren einfach süß, so.
 |
| Nachthimmel |
Für unseren Aufenthalt im Zion blieben wir in der Stadt Hurricane, und wie schon zwei Tage davor verschlug es uns noch nach einem guten Thai-Abendessen in die Nacht des Nationalparks.
Unter einem Sternenhimmel zwischen den dunklen Silhouetten steiler Felswände hindurch zufahren hat seine ganze eigene Magie. Die Straßen schlängeln sich dann um die Berge herum, und es hat etwas von einem Abenteuer, nicht zu wissen, wolang man fährt und wo man ankommt. Immer wieder hielten wir, legten uns auf die Erde oder auf Steinblöcke und versuchten uns am perfekten Bild, oder ließen einfach nur die Stille auf uns wirken.
 |
| Die Schönheit liegt im Detail |
 |
| Eine Oase in der Wüste |
Am nächsten Morgen erst sahen wir, wo wir eigentlich lang gefahren waren. Mit hohen roten Bergen rechts und links ist der Zion National Park ein Canyon, der für mich all die vorherigen Parks in sich vereint: Wüste, Wasser, Wald. Der Park vereint in sich all diese Gebiete, weswegen er mein persönlicher Favorit ist. Er ist nicht zu groß, hat kleine, schöne Wanderwege und unglaublich viele wunderbare Details, wie Wasserfälle, versteckte Schluchten und kleine Tümpel. Durch diesen Canyon fließt in kitschiger Idylle der Virgin River, der bis nach Las Vegas fließt und 40 Meilen von hier irgendwo in den Bergen seinen Ursprung hat. Grüne Bäume, rote Erde und felsige Wege machen diesen Park aus und verwandeln ihn in eine kleine Oase inmitten der Wüste, in der er liegt.
Wieder hieß es, das Auto an einem Punkt stehen zu lassen und mit dem Bus loszufahren, um die exquisiten Ecken des Parks zu erreichen. Bei strahlendem Sonnenschein (wie sollte es anders sein), kraxelten wir die Berge hinauf, zu Wasserfällen, Wasserlöchern und immer der Sonne entgegen. Vorbei an Kakteen und anderen Touristen, die sich schnaufend und schwitzend den Weg an Steinwänden vorbei suchen, um schlussendlich bei einem der Wasserlöcher halt zu machen und Bagel und Zimtschnecken zu verputzen.
 |
| Country Roads |
( Das mit dem Brot ist eine Katastrophe hier, ich könnte darüber seitenweise schreiben)
 |
| Lieblingsfarbe |
Unten angekommen, gönnten wir uns dann eine Pause mit riesigem Softeis und Literweise Cola (natürlich ohne Zucker. Haha.) um dann noch einen letzten Stopp bei einem Punkt zu machen, von dem man den White Throne und Angels Landing sehen konnte, zwei Berge, die mit zu den Sehenswürdigkeiten gehören. Angels Landing heißt so, weil der erste Manager des Parks einen Aussichtspunkt für Besucher schaffen wollte, von dem aus sie den ganzen Canyon sehen könnten, aber seine Freunde hielten ihn für verrückt und sagten, dass dieser Punkt auf dem Berg so hoch sei, dass nur Engel darauf landen könnten. Für Wagemutige und Menschen mit Kondition ist der Punkt erreichbar. Ich blieb, aus diesen Gründen, daher lieber auf dem Boden und schlug mich mit meinen Mitreisenden durch das Gebüsch, um am Virgin River den Weg zurück zum Auto anzutreten. Zurück zum Auto, und zurück in die Zukunft, denn auf unserer Reise sind wir durch eine der Zeitzonen gefahren, was bedeutete, dass wir auf unserem Rückweg noch eine Stunde an die Zeit verloren.
Orem, Utah. USA. Hier ist für die nächsten vier Monate mein Zuhause. Und hier kann mich jeder, der mich sucht, in der nächsten Zeit finden. Also: go for it. ;) Die nächsten Blogeinträge haben auch schon ihre Themen: Die erste Woche im Studentenheim, die ersten Wochen Uni, Verrücktes Amerika und die Religion, die hier gelebt wird. Also bleibt dabei, der nächste Eintrag kommt. ;)
Glück auf,
eure Silja
 |
| See ya |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen