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Samstag, 1. Oktober 2016

Farbenspiel des Winds

5 Woche Uni, und ich habe es gewagt, bisher kein Wort darüber zu verlieren. Entschuldigt, dass meine Einträge bisher zu kurz gekommen sind...
Es sind wirklich schon 5 Wochen. Und es bleiben nur noch 12. Fast ein Drittel ist geschafft, und wer jetzt sagt, das ging aber schnell, der kann mir glauben: Es GING schnell!

Seit der ersten Woche im Studentenwohnheim ist wirklich viel passiert. Eigentlich kann ich gar nicht genau sagen, wo ich anfangen soll. Bei all den Eigenarten, die das Leben hier mit sich bringt? Davon, dass wir erfolgreich das Fast Food meiden und vermutlich sogar noch sportlicher als in Deutschland unterwegs sind? Darüber, dass die Amerikaner Socken und Jesus-Latschen tragen, oder dass Mini-Erdbeben alias vorbeifahrende Züge uns jeden Morgen aufwecken. Ich würde ja fragen, was interessiert euch, aber wie ich meinem Freund Bryn noch gestern erklärt habe, liegt das Problem bei einem Blog darin, dass ich zu euch spreche, und nicht mit euch. Asynchrone Kommunikation. Blabla. ;)

Was gibt es also neues. Eine ganze, ganze Menge. Zunächst einmal möchte ich euch einen groben Überblick geben, wie das Alltagsleben hier läuft. Wen das nicht interessiert, der kann zum nächsten Absatz springen, denn der handelt von dem religiösen Leben hier, und meinen geliebten, Kaffee-und-Tee-meidenden, Filme-zensierenden, ultrakommunikativen Mormonen, oder auch: den Mitgliedern der Kirche Jesus Christi der Heiligen der letzten Tage (kurz: LDS).
Des Weiteren erzähle ich euch etwas über Dinge, die wir hier in unserer Freizeit treiben, und auch über die Eigenarten, die mir immer wieder bewusst machen, dass das hier das Land der Great und Free ist (bis zum 8. November immerhin, danach weiß man ja noch nicht, was/ wer da kommt).

Hui, wir haben viel vor heute, ich hoffe, ihr habt etwas Zeit mitgebracht!
Weg zur Uni
Ich möchte euch zur Einführung von unserer ersten Uni-Woche erzählen. An jedem Montag Morgen hieß es für Alicia und mich, uns die 2km zur Uni aufzumachen, an der großen Straße entlang, über eine Brücke, an tausend Ampeln vorbei, unter einer Unterführung her und dann den ganzen Weg an der Uni vorbei zu unserem Gebäude, dem Class Room Building (CB). Hier finden eigentlich sämtliche Kurse für uns statt, außer unsere Spanisch- und Französisch-Klasse, die finden sich im LA- Gebäude, zwei Gebäude weiter.
Das CB Gebäude ist das neuste Gebäude, mit 6 Stockwerken, hell, verglast, modern. Unsere Klassen sind in Stock 3 und 4. Klassen am Montag (und ebenfalls Mittwoch und Freitag): um 11 Uhr Magazine Writing und um 15 Uhr Investigative Reporting. Unser Lehrer: Jim, ein Senior Mitte 60, Zyniker, Tänzer, kein Mormone (eine Seltenheit!).
Inhalt der Klassen:
Magazine Writing: Prüfungsnachweis: ein Feature für ein Magazin, das ich zusammen mit Alicia schreiben werden.
Thema: Does the high significance of family and marriage in the LDS church sets social pressure on young LDS members to marry early, to get children very fast and therefore influences the dating-behavior and the conservative gender roles of men and women."
Investigative Reporting: Prüfungsnachweis: Hausarbeit
Thema: "Comparing the majors Journalism and PR at the Westfalian University Gelsenkirchen and Journalism at the Utah Valley University, whereby we want to find out whether an exchange programm for both sides relies on the same financial and contentual basics and therefore is similar doable for both sides."
Innerhalb der Fächer reden wir oft über Praxisbeispiele, Interview-Methoden oder besprechen Grammatik, Fehlerquellen und False Friends der englischen Sprache. Manchmal passiert es aber auch, dass wir uns einfach 50 Minuten lang (so lang ist eine Stunde) Youtube-Videos anschauen und Jim uns durch seine heldenhaft lockere Art mehr unterhält als unterrichtet. Auch mal eine Art, der Unterricht interessant zu gestalten.
Wolverine Student PR Firm: ersetzt mein 2. Projekt im 5. Semester an der WHS. Inhaltlich geht es darum, für einen Klienten eine PR-Kampagne umzusetzen. Ich bin in einem Team mit drei überaus verrückt-liebenswerten Amerikanern Namens Blake, Nate und Rian. Nicht all zu kompliziert. Unser Klient ist die PR Firma an sich, unsere Aufgabe ist es, die Klasse bekannter zu machen, mehr Studenten und neue Klienten zu gewinnen, in die Medien zu kommen und das ein oder andere Event dafür zu planen. Ich kann echt nur sagen, wie viel Glück ich mit diesen drei habe, denn sie sind alle überaus motiviert, entspannt, und haben Ahnung. Mein Job ist mittlerweile der Inhalt unserer neuen Website und die Planung unserer Haupt-Events. Und die unter euch, die mich wirklich gut kennen, die werden es vermutlich nicht glauben, wenn Ende November mein Bericht über dieses Event kommt, und wer mein Special Guest ist. ;)
Die Klasse findet Dienstag und Donnerstags von 17.30-18.45 statt. Dienstags treffen wir uns in unseren Gruppen und besprechen uns, Donnerstag ist Klienten Treffen. Außer neue Logos zu basteln gehört es dazu, jede Woche einen Test zu schreiben, wofür man ein ganzes Kapitel aus einem besonders uninteressanten Buch lesen muss. Schlau wie wir sind, haben Alicia, Lara und ich begonnen, jedes Kapitel immer unter uns aufzuteilen und uns dann zu dritt vor das Quiz zu setzen. Das findet sich auf der Uni-internen Seite. Jede Woche fängt eine andere an mit ihrem Quiz, zusammen versuchen wir dann, die 10 Fragen in 10 Minuten zu lösen, und merken uns die Fragen und antworten, wodurch die jeweils beiden anderen schon einmal die richtigen Antworten kennen und die falschen Nachschauen können. Wir hatten in dieser ersten Runde bisher nie weniger als 9/10 Punkten. Streber. :P
The Review: Dientags und Donnerstags von 16-17.15: hierbei handelt es sich um die Uni-eigene Zeitung. Wir konnten bisher noch nichts schreiben, da die Termine bis Oktober geblockt waren, da ein scheinbar sehr großer Andrang auf Publikationen besteht. Die Studenten in diesem Fach schreiben für die Zeitung und müssen dafür weniger Tuition bezahlen (zwischen zwei und sieben Tausend Euro pro Monat). In dem Kurs nehmen wir die Zeitung auseinander, besprechen Fehler und Verbesserung und reden über anstehende Themen. Heißt für mich oftmals: das Sudoku lösen, da ich den Aufbau der Zeitung an sich recht eigenartig finde, und leider mit der amerikanischen Politik auch nicht viel am Hut habe, als dass ich meinen Senf dazu geben könnte.
Französisch Conversation: Freitags, 10-10.50. Bonjour, ca va. Es geht hier echt um Basics, das wohl einfachste fach bisher, man beginnt bei Null. Und redet nur. Echt bien.
Spanisch Conversation: Freitags, 12-12.50. Hier könnte ich ich mich jetzt aufregen. Seit Beginn des Semesters wollte ich mich offiziell in diesen Kurs einschreiben, doch aufgrund technischer Probleme und offensichtlicher Kommunikationsfehler hieß es dann nach drei Wochen sinnlosen Hin und Her Geschreibsels, ich sei jetzt zu spät und müsse 30$ bezahlen. Nö, einfach nö. Also: keine Klausur für mich, keine Credits (was nicht schlimm ist, da der Kurs eh nur 1 Credit bringt und ich diesen Credit nicht mehr brauche). Trotzdem ärgerlich. Inhaltlich ist dieser Kurs weit über dem Französisch Kurs. Da alle Mormonen-Jungs vor dem College zwei Jahre Missionieren und daher in alle Länder der Welt reisen, ergibt es sich, dass besonders hier, wo Lateinamerika nicht fern ist, viele perfektes Spanisch sprechen. Dementsprechend habe ich nun einen Study-Buddy, Peseta. 24, verheiratet seit 4 Monaten, lebt in einem umgebauten Schulbus. Der Kurs ist um einiges größer, aber super lustig. Dank 3 Jahren Spanisch in Deutschland verstehe ich zwar nicht immer dieses lateinamerikanische Genuschel, das sie hier von sich geben, aber es klingt doch ganz nett. Sí sí.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass die Stundenverteilung nicht ganz so ideal ist. Montags, Mittwochs und Freitags von 10/11 vis 16 Uhr, Dienstags und Donnerstags von 16 bis 18.45. Abgesehen davon haben wir M, M und F zwei bzw. drei Freistunden, in denen ich entweder versuche, meinen Blog zu schreiben, oder etwas arbeite. Fast jeden Tag gönnen wir uns einen Starbucks-Kaffee aus dem Automaten, eiskalt, und je nach Saison anders. Jetzt ist Herbst, Pumpkin-Spice ist da voll der Renner, bedeutet, der Kaffee schmeckt nach Weihnachten. Dass wir umgeben sind von Mormonen hat da sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil. Zum einen ist der Kaffee-Automat nie leer. Zum anderen ist er ewig weit weg, um uns armen Kaffee-Trinker nochmal daran zu erinnern, wie böse er ist.
Vor beziehungsweise nach der Uni motivieren Alicia und ich uns entweder zum Sport, oder es steht irgendetwas an, und ja, meist steht etwas an. Auch der Weg zum Walmart braucht so seine Zeit, damit lässt sich auch gut ein halber Tag gefühlt vernichten.
Aber an sich haben wir mittlerweile fast einen festen Wochenplan:

Montags Abends haben wir Ward-meeting. Heißt: das ganze Haus, in dem wir leben, bildet einen Ward. Das ist eine kleine Gemeinde (also LDS), die zusammen die Messen feiert und auch sonst viel miteinander unternimmt. Doch dazu komme ich in meinem Mormonen-Absatz im nächsten Eintrag
.
Dienstags versuchen wir uns zu integrieren und uns zu bilden, und laden daher zwei Elders ein, also zwei Jungs, die momentan ihre Mission machen. Das sind diese Leute, die man in Deutschland aufgrund ihrer schwarzen Anzüge kennt und die immer zu zweit sind. Hier tragen sie ebenfalls Anzug, aber etwas legerer, manchmal auch nur Hemd also. :P An diesem Abend erzählen uns diese zwei also etwas über ihren Glauben und ihr Buch, aber auch dazu später.
Mittwochs Abends ins Quiz-night. An diesem Abend machen wir immer unser PR-Quiz, und das hat oft etwas von einem Krisenstab, denn dann sitzen wir zu dritt, bewaffnet mit Notizen, Stift, Buch und Smartphone vor einem Laptop und rätseln vor uns hin.
Donnerstags versuch ich mich, ebenso wie Dienstags, zum Sport zu motivieren, und eigentlich klappt das ganz gut. Abends kommt es irgendwie immer so, dass wir einen Film-Abend machen, sei es alleine oder mit wem auch immer zusammen.
Das selbe gilt für Freitags, und Samstag waren wir bis jetzt ebenfalls immer unterwegs und dabei meist nie in Orem, aber das erzähle ich euch, wenn es um Freizeit geht. ;)

Luft holen, der erste Teil ist geschafft :)

Wir kommen zum Spaßigen: Was hab ich in den letzten fünf Wochen getrieben, außer super viel zu studieren, hust. ;)


Canyons
Damit wären wir bei der Freizeit. Orem ist nicht wirklich Fußgänger-freundlich. Daher heißt es, entweder mit dem Bus zu fahren oder Bryn ganz lieb zu fragen, ob er uns rumfährt. Wobei er das grundsätzlich gerne tut und selber auf alle möglichen guten Ideen kommt. und langweilig wird es hier echt nicht, es ist immer irgendwo irgendwas los!

Orem an sich ist einfach traumhaft. Eingerahmt von Bergen und dem riesigen Provo Lake gleicht es einer Oase und da wir offiziell in einer Wüste sind, ist dieser Vergleich sogar angebracht. Seit meiner Ankunft haben sich die Blätter der Berge rot verfärbt, und die Berge glühen abends, wenn das Licht der untergehenden Sonne auf sie fällt. Selten schaue ich irgendwohin und finde nichts, was ich immer wieder aufs neue Wunderschön finde. Ich muss zugeben: Wenn ich durch die Canyons laufe, kann ich mir gut vorstellen, wie hinter der nächsten Biegung Pocahontas auf einem Vorsprung steht und "Farbenspiel des Winds" singt.

Seit wir hier sind, waren wir dementsprechend schon viel unterwegs. Unser erster Ausflug führte uns zu den Bridal Falls in den Canyons (oh ja, von denen werdet ihr noch öfters hören). Bryn hielt das für eine gute Idee und meinte, es sein ein ganz entspannter Wanderweg. Was wir nicht wussten: es gab gar keinen Weg! Steil bergauf durch Geröllblöcke und über rutschige Erde klettern, kraxelten wir einen Abhang von gefühlt 90 Grad hinauf. Komplett verdreckt, schnaufend, triefend erwartete uns oben dafür ein traumhafter Ausblick. Direkt vor uns rauschte ein Wasserfall auf Steinblöcke hinab, bis nach unterm zum Becken konnten wir schauen. Das
Wasser war eiskalt und kam vermutlich von den Gipfeln der Berge. Der Schnee, der hier im Winter fällt, bestimmt hauptsächlich, wie gut Orem und die gesamte Umgebung im Sommer von Wasser versorgt wird, da es hier im Sommer eigentlich gar nicht regnet und die Menschen somit schon abhängig davon sind, wie viel es im Winter schneit.
Der Rückweg gestaltete sich übrigens etwas leichter, denn welche Überraschung, da war ja doch ein Weg! Aber nein, living on the edge, wir scheuen nicht das Abenteuer!










Provo Lake



















Ein weiterer Punkt, der hier auf jeden Fall besucht werden muss, war der Provo Lake. Wir fuhren erst Abends dorthin, um uns den Sonnenuntergang hinter diesem riesigen Nass anzuschauen. Schwimmen soll man in dem See nicht, doch die Aussicht auf die Berge am Rand des Sees war traumhaft. In der sommerlichen Stille schauten wir zu, wie die Sonne den See in Lava verwandelte (oh ja, ich liebe Übertreibungen...) und die Berge  sich zuerst rot, dann lavendel und später von blau zu schwarz färbten. Ein Farbenspiel des Winds?

Weniger harmonisch war es, von einem dermaßen großen Schwarm Mücken zurück zum Auto verfolgt zu werden, dass man seine eigene Stimme kaum noch hören kann. Ich bin ja nicht so der größte Fan von Mücken, meine Erfahrungen mit ihnen in Afrika haben mich einen gewissen Respekt vor den kleinen Sch***-Viechern gelehrt.

Generell hat es sich, seit ich hier bin, ergeben, dass ebenfalls ins Kino gehen eine super Freizeitbeschäftigung ist. Mit durchschnittlich 4$ ist es einfach super preiswert, die Kinos sind ordentlich und gepflegt, und die Snacks um ein Vielfaches günstiger als in Deutschland. Gesehen haben wir bis jetzt "Finding Dory" (Get off, off, off, off! :D ), Tarzan (zu meinem Geburtstag), Sully (der Film über den Piloten, der ein Flugzeug auf dem Hudson River landete) und Suicide Squad. Da ich ber weder spoilern möchte noch denke, dass meine Meinung zu diesen Filmen fachgerecht wäre, sage ich einfach, dass jeder dieser Filme auf seine Weise gut, sehr gut oder einfach nur genial war. :)

Super gerne starten wir aber auch einfach einen Kochabend und schauen anschließend einen Film, spielen Killer Bunny oder Signs, ein Spiel, bei dem besonders die Jungs aufblühen. Es geht . Ein Gericht, das mir wirklich gut gefällt, heißt Spaghetti Squash, ein Kürbis, den man einfach eine Stunde in den Backofen legt und den man, wenn aufgeschnitten, so isst, indem man mit einer Gabel Streifen herauszieht und sie mit Tomaten-Fleischsoße ist. Yummie! Auch Kartoffelgratin stand schon auf der Liste, Spaghetti Bolognaise und Alicias Kompanie-Reis-Gemüse-Pfanne. Filme waren unter anderem Forest Gump (den Alicia zum ersten Mal Mal gesehen hat), Twilight (Bryn fand den ganz toll!), und momentan suchten wir alle etwas "How i met your mother", möglicherweise, weil sich eine auffällige Ähnlichkeit zu einem unserer amerikanischen Freunde herstellen lässt. :D

Essen gehen lässt sich natürlich auch nicht immer vermeiden: ob Buffalo Wild Wings, Chick-Fil-A oder The Chocolate (einem kleinen Lädchen mit super-leckeren Torten und Muffins und und und), wir futtern uns durch Amerikas Fast und Food-Restaurants. Bei Buffalo Wild Wings habe ich den Fehler gemacht, die schärfste Soße zu probiere, meine Augen haben noch eine halbe Stunde danach getränt, und meine Lippen brauchten Abends eine Bepanthen-Kur.
 Ebenfalls dabei: Sigfried, ein deutsches Restaurant in Salt Lake City mit gar nicht mal so unauthentischen Spätzle und Schnitzel. Hier habe ich dem Druck nachgegeben und mir für schlappe 3,50$ eine Tüte Katzen-Kinder-Lakritz gekauft. An der Milkaschokolade mit ich traurigen Herzens vorbei gegangen (knapp 5$).

A propos Spätzle: auch eine German Night haben wir schon gestartet. Im Haus unserer Freundes Clint haben wir selbst Spätzle gemacht, mit Käse und Zwiebeln, wie sich das gehör
t. Dazu ein improvisierter Apfelstrudel mit extra viel Zimt, und anschließend, na was wohl, einem Film (Now you see me! - empfehlenswert!) Dass die Jungs anschließend die Küche aufräumen mussten, schien ihnen nicht ganz zu passen, aber wer kocht, muss nicht spülen. Von wegen, nur Frauen gehören in die Küche!

Und auch unsere Wochenenden sind immer gefüllt: Am ersten Wochenende starteten wir mit dem Green Out Dance der UVU. Open air wurde ein DJ Pult aufgebaut, mitten auf dem Sportplatz der Uni. Motto war grün, und dementsprechend sahen wir alle aus wie kleine Leprechauns, wir wir da hüpfend in der Menge standen. Die Feier ging an sich gar nicht so lange, das eigentlich interessante war, dass ich eher unbewusst ein kleines Video bei Instagram hochgeladen hatte und drei Tage später auf Facebook verlinkt wurde, dass ich einen Apple TV gewonnen hatte. Erste Woche Uni und schon Glück gehabt.

Ein weiterer Anlaufpunkt ist das Outlet in Lehi, ca 15 Minuten mit dem Auto entfernt. Nike, American Eagle, Coverse, Calvin Klein, Levis... das erste Mal habe ich das Outlet höchst zufrieden und sehr, sehr glücklich mit zwei Paar neuen Nikes verlassen, für umgerechnet nicht mal 60 Euro insgesamt. Ich habe mich verliebt. Die University Mall, ca 10 Minuten mit dem Auto, bietet alle
anderen Läden an, die man so sucht. So habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Victorias Secret betreten und war gar nicht mal so begeistert wie gedacht. Aber ein guter Ort, um einfach mal einen Tag lang bummeln zu gehen. ;)

Auch in der Umgebung von Orem ist eigentlich ständig etwas los. An einem Wochenende fuhren wir zu den "Suisse days",  in einer Stadt auf der anderen Seite den Canyons. Ich persönlich freue mich immer, wenn wir durch die Canyons fahren. Es ist eine lange Straße, die sich durch die Berge schlängelt, vorbei an Wasserfällen und Flüssen. Und da es seit zwei Monaten durchgängig schönes Wetter ist, ziehen die weißen Wolken über die Spitzen der Berge dahin und der blaue Himmel strahlt über den Canyon hinweg.

"Suisse" Food
Die Suisse days waren glaube ich mein erster kultureller Schock, seit ich hier bin. Ein ganzes Dorf, mitten in Utah, Amerika, schmückte Häuser und Straßen mit der schweizer Nationalflagge, überall wehte es rot und weiß, die Bewohner trugen rot-weiße Shirts und Hüte, kleine Mädchen in Dirndl hüpften an uns vorbei. Verrückt, verrückt, verrückt die Amerikaner! Vor den Fressbuden standen ewig lnge Schlangen, um Scones, Swiss&Cheese oder was weiß ich zu ergattern. Was das Essen schweizerisch machte? "Scheizer Käse" aus dem Walmart. Ich weiß nicht, was die Amerikaner glauben, was wir in Europa essen, aber "Swiss Tacco" gehört eindeutig nicht dazu.
Hunderte von kleinen Ständen erstreckten sich über das riesige Gelände, von Seife zu Uhren zu Gemälden, selbstgestrickten Socken und Schmuck zu traditioneller Kleidung, alles war dabei. Wir schlenderten ewig durch die Reihen, aßen Käsekuchen und Sandwiches, und fuhren Abends noch zu Clints Eltern, die hinten auf ihrer Veranda eine Feuerstelle haben, auf der wir Marshmallows rösteten und daraus meine heißgeliebten Smores bastelten. Marshmallows grillen ist eine Kunst, und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Alicia setzte ihre Marshmallows mehr als einmal in Brand.

Ein anderes Mal trieb es uns zu der State Fair nach Salt Lake City, einer riesigen Kirmes, für die
man schon 10$ Eintritt bezahlen muss. Karussells, Fressbuden, sogar die amerikanische Armee war da und stellte ihre Monstertrucks aus. Ich gebe zu, es war nicht so mein Ding, zu voll und zu laut.

Vor zwei Wochenenden verbrachten wir den Samstag in Salt Lake City. Grund war, dass wir am Abend zu Laras Lieblingsband auf ein Konzert gehen wollten, die Band O.A.R. (absolut empfehlenswert!). Davor machten wir jedoch eine Führung am Temple-Square. dazu gehört etwas Hintergrundwissen: Die Mormonen haben diese


Tempel, um sich dort mit Gleichgesinnten zu treffen. Wenn man kein Mormone ist, kommt man da nicht rein. Punkt. Man braucht eine Art ID-Karte, und um die zu bekommen, muss man die Grundsätze der Kirche erfüllen. Für Anfänger wie uns heißt das beispielsweise, kein Kaffee trinken, kein Sex vor der Ehe, und und und. Also nach den Geboten der Schriften leben. Zu dem Gelände, auf dem der Tempel steht, gehören noch ein Besucherzentrum und eine Konferenzhalle. Der Tempel an sich ist traumhaft, weiß, und hat Ähnlichkeit mit einem Schloss. Drinnen wird getauft, geheiratet, oder man unterhält sich über die Schriften und hat Zeit für sich selbst. In der Konferenzhalle findet man eine der größten Orgeln der Welt, mit 11.623 Pfeifen.
Wir bekamen eine tolle Führung von zwei deutschen Missionarinnen, die ihre Mission in Utah verbringen und die Menschen dort von ihrem Glauben erzählen.
Wir machten einen kurzen Abstecher in die Mall, die allerdings viel zu groß war, um sie in der kurzen Zeit, die wir noch bis zum Konzert hatten, richtig anzuschauen.
Das Konzert selbst war im Depot, vergleichbar mit dem FZW in Dortmund, und O.A.R. war einfach Hammer. Es war ein riesen Spaß, und die Band spiele über zwei Stunden. Wer mal reinhören möchte: https://www.youtube.com/watch?v=Qa5Mawz92xU

Auch in der UVU kann man Freizeit verbringen, wenn man will ;) Zusammen mit Alicia war in beispielsweise schon an der großen Kletterwand, und nach einer 15 Minuten Einführung, wie man sichert, hatte ich zum ersten Mal ein Mädel am Harken...ich meine, am Seil. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie so schwitzige Hände, als Alicia oben an der Kletterwand angekommen war und sich hat fallen lassen. Aber jetzt hab ichs drauf.
Ei anderes Mal sind wir dort Bowlen gegangen, denn im Student Wellness and Fitness Centre gibt es neben der Kletterwand und dem zweistöckigen Fitnessstudio auch Billiard Tische und eine Bowlingbahn. Dort hat es uns auch Abends schon hin verschlagen, denn als Student kann man hier super günstig bowlen gehen.

Das waren erstmal die Dinge, die wir bis jetzt so gemacht haben. Natürlich gibt es bereits ein Update, und es folgen einige noch echt coole und verrückte Sachen, wie Beispielsweise Alicias Geburtstag, richtige Sonntage und unsere Wanderungen durch die Canyons zum Squaw Peak und Spanish Fork. Aber ein bisschen hebe ich noch auf für den nächsten Blogeintrag!

Ebenfalls ist mir gerade aufgefallen, dass dieser Eintrag doch schon wirklich lang geworden ist, daher werde ich auch meinen Mormonen-Absatz in den nächsten Eintrag schieben, da morgen ein ganz besonderer Tag ist: Dieses Wochenende findet in Salt Lake City die General Conference statt. Alle sechs Monate spricht der Prophet der Mormonen und die Apostel zu den Mitgliedern der Kirche, es wird auch über TV übertragen, und alles dreht sich um diese Sessions, von denen es heute, am Samstag, drei Stück gab. Und da unser Mormonen-Bischof der Gemeinde, in der wir zur Kirche gehen, weil es die nächste Kirche ist und sie ja zum selben Gott beten wie wir Katholiken ( ;) ) , uns mag, hat er uns Tickets für die letzte Session für morgen geholt. Heißt: Morgen sehe ich den Papst der Mormonen :P. Und ich denke, das wird recht interessant und ist daher möglicherweise auch für mein Mormonen-Kapitel wichtig, also spare ich es auf.

Ich hoffe, ihr habt bis hierher durchgehalten, und ich beeile mich, mit den neusten Fakten nachzukommen, denn es fehlt noch einiges!

Bis dahin, Glück auf,
Silja
















Montag, 12. September 2016

Die erste Woche im Studentenwohnheim - Wolverine Crossing

Heute möchte ich euch etwas darüber erzählen, wie ich mich hier in der ersten Woche meines Aufenthalts als Studentin eingelebt habe.
Es ist schade, dass es schon irgendwie solange her ist, ich muss mich erstmal dran erinnern, was alles war. Aber zunächst einmal zu unserem Studentenwohnheim.
Ich lebe im Wolverine Crossing, das ist ein Wohnkomplex von beachtlichem Ausmaß, zwei Kilometer von der Uni entfernt. Der Link wird euch weiter auf die Seite leiten und ich kann euch versprechen, dass alles wirklich so aussieht, wie es auf der Internetseite ist. Die Häuser sind in knalligen Bonbon-Tönen gestrichen, das Eingangstor erinnert an Disneyland. Zum Wohnheim gehören zwei Pools, ein Whirlpool, ein Beachvolleyball-Feld und ein Basketballfeld, eine LDS Kirche (Mormonen), tausend Parkplätze, ein Fitnessstudio und einige Bushaltestellen sind direkt zu erreichen.
Ich hab mal zwei Bilder von der Website gemoppst:

Am Pool

Der Freizeitbereich
Mein gebastelter Apartment-Plan
Bad
Wohnzimmer
Die gute Seite der Macht
Küche
Ich teile mir das Zimmer mit meinem Roomie Bekah, und das erste, was wir gemacht haben, war, die Tische und die Betten so umzustellen, dass alles nicht unbedingt irgendwie irgendwo stand. Wir haben ein Eck-Apartment, was heißt, dass wir super Glück hatten, weil unser Apartment größer als die anderen ist. Wir teilen und zu viert ein Badezimmer, Malaelele und Briannah, unsere beiden anderen Amerikanerinnen, teilen sich ein Zimmer mit eigenem Bad. Das Wohnzimmer ist riesig, mit zwei großen Sofas, großem Flachbildschirm, und mittlerweile haben wir auch einen DVD-Player und einen Apple TV (den ich lustigerweise direkt in der zweiten Woche auf einer Uni-Party gewonnen hab, ich Glücksente, ich. Wir haben auch nur zwei Tage gebraucht um raus zu finden, was man damit machen können soll...:P). Die Küche ist offen zum Wohnzimmer hin, mit einer halbhohen Wand neben dem Tisch, Spülmaschine, Herd, Bachofen und Mikrowelle plus Riesenkühlschrank. Wobei "Riesig" relativ ist, wenn man drüber nachdenkt, dass da sechs Leute ihren Kram reinstellen sollen.
Überall außer im Bad und in er Küche ist super-flauschiger, neuer Teppichboden, die Wände wurden erst vor kurzem gestrichen. Vor den fenstern sind Mückennetze, und sie lassen sich nach oben aufschieben. Unser Apartment ist im 4. Floor, also ganz oben, und wir haben eine Aussicht auf die Fläche, die das Zentrum des Wohnkomplexes darstellt, mit einer Wiese, einem kleinen Pavillon und Wegen in alle Richtungen. In 2 Minuten sind wir am Pool und am Gym, in 5 Minuten an der Bushaltestelle, in 30 Minuten zu Fuß an der Uni.

Unsere drei Amerikanerinnen sind zum Knuffeln. Malae und Bri studieren ebenfalls an der UVU, Malae auf Lehramt, Bri auf Krankenschwester. Bekah arbeitet hauptsächlich und schreibt sich erst zum Frühlingssemester ein. Die Waschmaschinen und Trockner sind im Erdgeschoss, und egal was ist, alles wird innerhalb eines Tages repariert (unser Klempner kennt uns schon, wir haben schon eine neue Spülmaschine bekommen).

Generell muss sich hier viel getan haben im Wolverine Crossing. Es gab einen Management.Wechsel, davor soll es wohl katastrophal gewesen sein. Aber davon merken wir nichts. Es ist alles super organisiert und die Leute sind hilfsbereit. Für jeden Flur gibt es einen Residental Advisor, meist in unserem Alter, der bei allem möglichen hilft, wie zum Beispiel, wenn man einen Staubsauger braucht. Ich kann echt nur sagen, dass ich mich wirklich wohl hier fühle. :)

Und die erste Woche hier im Wolverine Crossing ging auch direkt richtig ab. 5 Tage lang, von Mittwoch bis Sonntag, gab es jeden Abend Programm.

1. Tag, 17.08.
Ganz viele Vitamine!
Es begann mit einem Aloha-Dinner am ersten Tag. Lampions wurden aufgehängt, Infotische aufgebaut, alles wurde geschmückt. Direkt am Pool wurden Tische aufgestellt, wo es Pulled Pork, Salate, Reis und und und zu essen gab. For free. Meine Neuentdeckung: Snow Cones/ oder auch italienisches Eis. Dafür kratze man seinen Gefrierschrank aus, schütte süßen Sirup darüber, und fertig. Je süßer und bunter, desto besser!
Gleichzeitig bekamen wir T-Shirts, ein Mormonen-Paket, inklusive Jesusbild, und lernten direkt einen ganzen Haufen neuer Menschen kennen. Die typische Fragereihenfolge:
Wie heißt du?
Woher kommst du?
Ich wollte auch schon immer mal nach Deutschland! Wo genau wohnst du?
Mhm...kenn ich nicht. Aber warum bist du ausgerechnet in UTAH? :D

Und ich schwöre es, so spielt sich das eigentlich immer ab! Ziel dieses ersten Abend war es, erst einmal rauszufinden, wo wir eigentlich gelandet waren. Wir leben in Gebäude F, das schränkte also schoneinmal ein, wen man vermutlich öfter treffen würde. Der untere Flur unseres Hauses wurde übrigens aufwendig geschmückt, im mexikanischen Stil. Die Fenster waren verdunkelt, überall hingen blinkende Lichterketten. An die Wände befestigt standen Europaletten, die so geschmückt waren, dass sie aussahen wie kleine Minibars. Sombreros hingen von den Decken, Totenköpfe lagen mal hier, mal da. Das ganze in warmen, orange-rot und gelben Tönen gehalten, richtig schnuckelig.

2. Tag, 18.08.
Apartment Maskottchen Hibiscus 
Während des Tages mussten wir uns erst einmal darum kümmern, Essen und fehlende Dinge wie Klobürsten zu besorgen. Wir hatten an dem Tag, als wir in Orem ankamen, vier große Kisten mit Bettzeug, Küchenkram und Badezimmerutensilien bekommen. Aber natürlich fehlt dann doch wieder irgendwas. Heißt, obwohl wir an diesem Tag lieber am Pool gelegen hätten, führte uns der Weg zwei Mal in den Walmart, wo wir nicht nur Geld, sondern auch viele Nerven ließen. Walmart ist meine persönliche Hölle. Riesig riesig groß, wie allem an Kram was man will oder auch nicht will. Nicht meins. Echt nicht.
Abends folgte dann Party Nummer 2. Weil wir allerdings erst recht spät los gingen und irgendwie noch nicht mitbekommen hatten, dass die "Partys" immer nur bis Mitternacht gingen, damit man den Fünf-Tage-Marathon durchhält, war dieser Abend für uns nicht all zu lang. Es war Meet S`More People. Ein Wortspiel, denn "Smores" ist eine Süßigkeit hier, für die ich eine Art Hass-Liebe entwickelt habe. Man nehme dafür einen Marshmallow, röste ihn über dem Feuer, nehme ein Stück Schokolade und zwei Kekse, mache daraus ein Sandwich und belege es dann noch mit Obst, falls man sich bewusst ernähren möchte. Nach zwei Stück war mir schlecht. Das ist einfach süß, süß, süß. Aber amerikanisch. :D Aber man kommt nicht an Smores vorbei. Sie sind überall.

3. Tag, 19.08
Roomies (und Colin :P )
An diesem Tag hieß es Abschied nehmen von Colin. Um 14 Uhr ging sein Flieger, das hieß, um 11 Uhr nach Salt Lake City losfahren. Abschiede sind nie schön, mein Vorteil war, dass der Tag noch eine Menge an Aufgaben für mich bereit hielt. Zurück im Apartment wuselten wir dann weiter vor uns hin,  und fanden ein paar entspannte Stunden am Pool. Der Abend gehörte dem Benefit Concert & Food Trucks. Lokale Musiker traten hier auf, dafür wurde auf dem Parkplatz eine Bühne aufgebaut. Es gab Food Trucks, unter anderem mit mexikanischem Sushi, und um auf das Gelände zu kommen konnte man entweder 2$ bezahlen oder eine Konservendose Essen mitbringen.
Die Bands, die auftraten, kannte ich persönlich nicht, doch scheinbar gibt es hier eine riesige Musikszene, aus der unter anderem Bands wie Imagine Dragons hervorgetreten sind. Aufgetreten sind Strange Familia, Emily Bae, Foreign Figures und Emissary. Die beiden Mittleren waren meine beiden Favoriten, und besonders Foreign Figures solltet ihr euch mal
anhören. http://foreignfigures.com
Die Stimmung war auf jeden Fall fantastisch! Im Hintergrund spielten Leute Basketball und Volleyball, vor der Bühne hüpfte und tanzte alles. Ein klarer Sternenhimmel, warme Luft, eine perfekte Sommernacht. Wir trafen zwei Amerikaner, die fast fließend deutsch sprachen einer von ihnen trug ein BVB-Trikot, der eigentliche Grund, weswegen wir auf sie aufmerksam wurden. Lieblingsspieler? Da hatte er dann doch keine Ahnung. :D

4. Tag, 20.08
Favourite Place to be
Pool. Pool. Geliebter Pool. Das Wetter hier war einfach fantastisch, jeden Tag bis zu 30 Grad, einfach ideal, um die Zeit in einem sprudelnden Hot Tub zu genießen oder sich zu sonnen. Der Plan war erst, Abends zum vierten Event zu gehen, der Escape Dance Party & Soda Bar. Allerdings lief es dann
anders als gedacht. Bryn fuhr mit uns zunächst zu einem Aussichtspunkt oberhalb der BYU, der Brigham Young University, auch die Uni der Mormonen genannt. In deren Studentenwohnheimen dürfen sie nicht einmal Kaffee beziehungsweise Koffein haben. Was ist das für ein Leben. Amen, das sage ich euch...
In der Halbdämmerung erstreckte sich Orem vor uns, in einer Kulisse aus Bergen, vielen kleinen, strahlenden Lichtern, der roten Sonne und dem riesigen Provo Lake im Hintergrund. Die Umgebung ist einfach traumhaft, auf ihre Art wild und einsam.
Danach war der Plan, Freunde von Bryn zu besuchen, namentlich: Pat, Stefan und Clint. Die Namen dürften euch aus meine Geburtstagspost bekannt sein. Die drei Wohnen zusammen in einer WG in Clints Haus, und bilden ein wirklich verrücktes Trio. :) Wir verbrachten alle zusammen den Abend, bewiesen unsere Gitarrenkünste, ließen uns eine Einführung für Kletterausrüstung geben (Pats Hobby ist Rock Climbing) und hörte den ein oder anderen guten Witz über Meister-Köder etc. Zudem versuchten wir, herauszufinden, was es mit dem Kaffee- und Tee-Verzicht der Mormonen auf sich hat und bekamen eine äußerst interessante Geschichte darüber zu hören, dass man wohl nach der Titanic-Katastrophe Fußbälle gefunden hat, von denen man rausfand, dass es sich dabei um die Mägen Ertrunkener handelte, die sich aufgrund von zu viel Tee-Konsum aufgebläht hätten. Eine sehr interessante Theorie, der man mal nachgehen könnte (sagte sie, und trank einen großen Schluck Darjeeling). Naja, das Mormonentum hat sich wohl für mich schon alleine deswegen erledigt. :P
Eine neue Dimension der Süße

5. Tag, 21.08.2016, Sonntag
Dieser Tag markierte den letzten Tag der ersten Woche, und den letzten Tag meines Urlaubs. Am nächsten Tag sollte es mit der Uni los gehen, aber dazu komme ich ein anderes Mal, denn auch, wenn ich schon viel von der Uni erzählt habe, gibt es weit aus mehr als das, was ich bis jetzt beschrieben habe.
Nach einem langen Schlaf und einem Sprung in den Pool, gehörte dieser letzte Abend den Sundae Sweets.
Und nach den Smores dachte ich bereits, die höchste Stufe an Süß erreicht zu haben. Tja, weit gefehlt. Ich bekam ein Schokoeis, mit Schoo-Karamel Sauce, mit Smarties und Sahne. Und da hier alles generell schon mal einen Tacken süßer als süß ist, was das nochmal ein Knaller.
Wir konnten dann noch einen ganzen Eimer Chocolate Chip abstauben, der auch innerhalb von vier Tagen komplett vernichtet war. Der Heißhunger auf Süßes wird hier irgendwie nur noch angespornt.
Mit einem Zuckerschock hieß es dann: ab ins Bett, bereit machen für den ersten Tag Uni.

Soweit dazu. :) Ich hoffe, dieses Durcheinander an Infos hat für euch irgendeinen Sinn gemacht. Es ist gar nicht so einfach, sich alle Infos aus dem Gedächtnis abzurufen, wenn man erst Wochen später darüber nachdenkt.
Bis ganz bald, und Glück auf!
Eure Silja

Sonntag, 11. September 2016

Mein Geburtstag: Pancakes, 9mm, heiße Quellen und Sternschnuppen

Obwohl ich gerade eigentlich an einem anderen Eintrag arbeite, muss ich doch einen kurzen Einschub machen: meinen Geburtstag am 09.09.2016

Awesome movie
Eigentlich fing es schon am 08.09. an. Ich hatte mir so vorgestellt, mit meinen Roomies vielleicht entspannt mit einem Film reinzufeiern, aber daraus sollte nichts werden. Malae und Bri waren unterwegs, Bekkah war verschwunden, und Lara und Alicia schienen Gruppentreffen mit Leuten aus der Uni zu haben. Bryn musste einem Freund bei einem Umzug oder ähnlichem helfen. Den ganzen Abend. Toll.

Die Partycrew
Glücklicherweise meldeten sich dann Stefan und Pat, zwei Jungs, die wir durch Bryn kennen gelernt haben und fragten, ob jemand Lust hätte, mit ihnen ins Kino zu gehen, "The Legend of Tarzan". Da Bryn nur meinte, dass ich doch mitgehen sollte, und ich mich sonst den ganzen Abend auf dem Sofa rumhängen sah, ging ich mit. Meiner Meinung nach ein super guter Film, auch wenn ich andere Meinungen gehört habe. Aber ich kann ihn echt nur empfehlen!

Wir kamen dann um ca. 10pm zurück, und dann hieß es, noch schnell zum Walmart und Zutaten für Kuchen kaufen, denn den hatte ich meinem Kurs versprochen. Auf dem Rückweg verhielt sich Bryn dann ausgesprochen eigenartig, im Fahrstuhl hatte er Spaß daran, einmal den Knopf für jede Etage zu drücken, was mir dann doch recht auf den Keks ging, aber ich dachte mir dann auch nichts dabei. (Hab dich lieb, Bryn :P )

Mein eigenes UVU Shirt *.*
Als ich dann die Wohnungstür öffnete, war es stockduster und ich lief erstmal in ein Gebamsel aus Luftschlangen hinein, die wie Lianen von der Decke hingen. Plötzlich schaltete dann jemand das Licht an und die Mädels, sowie Pat und Stefan, hüpften hinter den Tischen hervor und riefen "Überraschung".  Gut, dass es noch gar nicht Mitternacht war, aber es war trotzdem genial! :) Der ganze Raum war voller Luftballons und an den Wänden hingen eine Girlande und ein riesiges Happy Birthday Poster. Die restliche Stunde verbrachte ich dann damit, den Kuche zu backen, und um Mitternacht wurde ich dann mit einer schokoladigen Schokotorte mit 22 Kerzen überrascht, und alle schmetterten wunderschön ein "Happy Birthday" für mich. Wann sie das alles organisiert hatten?
Keiner von diesen Menschen hatte an dem Abend wirklich was vorgehabt. Heißt, während die Jungs mich mehr oder minder geplant ins Kino entführt hatten, hatten die anderen sich um den Kuchen gekümmert. Während in dann im Walmart war, wurde hier gebastelt. Tja, hab ich alles nicht mitbekommen. Bird up, würde ich sagen.

Thanks to the best folks!
Meine Roomies und die Jungs hatten sich dann auch echt tolle Geschenke für mich ausgedacht. Eine Trinkflasche von der UVU, da ich meine erste verloren habe und die zweite ständig vergesse. Ein UVU Shirt, in das ich mich von Anfang an verguckt hatte. Ein Holzschild mit der Definition für das Wort "believe", das ich in einem Laden der BYU, einer weiteren Uni hier in der Nähe entdeckt hatte. Ein kleines Schminkset, das ich mir fast selbst geholt hätte und einen Bilderrahmen.
Das würde ich mal als Beispiel guter Recherche und Beobachtung bezeichnen! Danke, ihr habt es einfach genau getroffen!!! :)

Am nächsten Morgen hieß es erstmal, die Tausend Nachrichten zu beantworten, denn das war wohl mein längster Geburtstag jemals, von 32 Stunden (aufgrund der Zeitverschiebung). Um 9 ging es in die Uni, wo jeden Freitag umsonst Pancakes verteilt werden. Yummie! Meine liebste Lara meinte dann, den hochmotivierten Pancake-Bäcker darauf hinweisen zu müssen, dass ich Geburtstag habe. Daraufhin schnappte sich dieser das Mikro und animierte die ganze versammelte Studentengemeinde, die eigentlich eher damit beschäftigt war, ihre Pancakes zu schnabulieren, mir ein Ständchen zu singen. Ja, ich liebe es wenn mich ein Haufen Menschen anstarrt! :D Zu meiner Ehre spielte er dann noch das Lied "22" von Taylor Swift. Dieses Lied hörte in an diesem Tag übrigens noch öfter, es scheint das inoffizielle Geburtstagslied für 22-Jährige zu sein.
Im Unterricht verteilte ich dann meinen Kuchen, und mein lieber Spanisch-study-buddy Peseta gab uns dann einen Lift nach Hause. Schnell was gegessen, und dann ging es schon weiter.
Für den Nachmittag hatten wir uns überlegt, american style, eine Runde schießen zu gehen. Also fuhren wir  ( Bryn, Lara, Alicia und ich) los, mitten in die Pampa, in ein abgesperrtes Gebiet. Bryn hatte die Munition und die Knarren mitgebracht, sowie kleine Mini-Frisbees aus Ton zum Schleudern und volle Getränkedosen, denn es macht nur Spaß, wenn die so richtig schön explodieren. Ja, das ist Amerika!

Mein Bewerbungsfoto, damit ich ein einem Marvel-Film mitspielen kann... :)
Dabei hatten wir also eine 9mm, und eine Schrotflinte. Da hält man so ein kleines Dings in der Hand, eine Mischung aus Plastik und Metall, und stopft da eine Patrone rein, und plötzlich ist man Herrscher über Leben und Tod. Im übertragenden Sinne. Vor meinem ersten Schuss lief mir die Suppe wortwörtlich rauf und runter, so nervös bin ich sonst höchstens vor einer Klausur. Schwitzige Hände, für jede Amerikaner wäre ich wohl in dem Moment eine tonlose Comdeyshow gewesen. Die ersten Schüsse auf die armen Pepsi-Dosen gingen dementsprechend auch erstmal voll daneben. Doch von Mal zu Mal wurde es besser, die Haltung wurde vertrauter, die Schultern entspannter und der Rückstoß kam nicht mehr so überraschend. Auch, wenn ich trotzdem ab und zu die Augen zurdückte, wenn mir die Patronenhülse mal wieder knapp am Ohr vorbeiflog. Die 9mm würde ich jetzt nicht als meinen besten Freund bezeichnen, aber als guten Bekannten. Anders die Schrotflinte.
getroffen
Dieses Höllengerät wog nicht nur unglaublich viel, sondern war auch so schwer zu laden, dass Bryn mir dabei helfen musste. In einer vermutlich nicht so gesunden Haltung versuchte ich dieses Ding dann so gut es ging auf eine Dose zu richten, doch weil es so schwer war, kippte es immer automatisch nach unten. Als ich dann schoss, drückte sich das Gewehr in meine Schulter, als hätte mir jemand davor geschlagen. Nein, nein, ich brauch ne Frauen-Pistole. Also zurück zur 9mm.
Munter schossen wir also auf Dosen und fliegende Frisbees, und die Zeit verging weitaus schneller als gedacht. Es war echt ein riesen Spaß, und ich fühle mich jetzt weit aus amerikanischer und unabhängiger und gefährlicher als jemals zuvor. Trotzdem: BRAUCHT man eine Pistole? Nein. So zum Spaß ist das eine lustige Sache, aber vergessen, dass diese Teile zum Töten erfunden wurden, kann ich trotzdem nicht.

Zurück im Apartment hieß es, Schwimmsachen einpacken und dann zuerst zum Chick-fil-A, einem Fast Food Restaurant, das ich mir eigentlich nur deswegen ausgesucht hatte, weil alle es so toll finden. Und es war auch echt super lecker, das böse Fast Food. Vor Ort trafen wir Pat, Stefan und Bekkah, sowie einen Kommilitonen aus einem meiner Unikurse, der für mich bestellt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich wollte. Schnell gegessen, und dann hieß es: nach American Fork zu den heißen Quellen.
Um halb 10 Abends waren wir dann dort. Einen kleinen Weg entlang spaziert, unter einem wolkenlosen Sternenhimmel, und dann standen wir vor einem dampfenden Wasserloch. Oh, und es war einfach fantastisch! Als Überraschung hatten die Mädels eine Flasche Sekt mitgebracht, aber es lief darauf hinaus, dass Alicia und ich uns zu zweit daran erfreuten. Mormonen und so. :) Des weiteren hatten sie Knicklichter mitgebracht, damit wir uns im Dunkeln alle wiederfinden konnten. Es war herrlich! Mitten in der Nacht unter einem Sternenhimmel in einer heißen Quelle zu schwimmen ist schon echt etwas, was jeder mal gemacht haben sollte. Absoluter Wiederholungsbedarf! Das Highlight waren dann noch zwei Sternschnuppen. Aber solche Sternschnuppen habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Sie waren so unglaublich groß und nah, dass man sie brennen sehen konnte, und es wirkte, als würden sie gar nicht weit entfernt auf die Erde stürzen. Die Sternschnuppe war so gleißend hell, dass sie für einen kurzen Moment den ganzen Himmel erleuchtete. Schöner konnte es einfach nicht mehr werden. Es war einfach der perfekte Abschluss. Wir blieben bis Mitternacht und machten uns dann, doch recht müde, auf nach Hause.

 Geburtstag nicht zu Haue zu feiern ist immer eine besondere Sache. Und diese Sache war bei mir einfach perfekt. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe den Tag mit unglaublich tollen Leuten verbracht. Ich habe neue, verrückte Dinge ausprobiert, und ich glaube ich habe noch nie meinen Geburtstag so ausgenutzt wie dieses Jahr. Danke an meine Roomies Bri, Malae, Bekkah, Lara und Alicia, und an die Jungs, Bryn, Pat, Stefan und auch Clint. :) You guys are awesome!
Danke auch an alle, die an diesem Tag an mich gedacht haben und mir ihre Glückwünsche geschickt haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut!!!

Haltet Ausschau nach dem nächsten Post, denn wir hängen mittlerweile etwas hinterher. ;) Es fehlt noch so viel, aber ich wollte euch erst an diese neuen, frischen Eindrücken teilhaben lassen!
Bis ganz bald, Glück auf,
eure Silja





Sonntag, 4. September 2016

Roadtripp III - Höher, schneller, weiter (oder "Der Traum von Selbstverständlichkeit")

Bis zum Horizont
Nummer drei meines Roadtrips. Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, beim Grand Canyon, die erste Nacht, Grillenzirpen, Sternegucken. Aber nur in eine bodenlose Dunkelheit zu starren war natürlich nicht der Plan.
Also hieß es am nächsten Morgen, früh raus aus den Betten unseres Trucker-Hostels, ab ins Auto und innerhalb einer halben Stunde in den Grand Canyon zum South Entrance, dem wohl bekannteren Eingang des Grand Cayon National Parks ( Nationalpark-Pass nicht vergessen!).
Die Nacht davor war dieser weite Teil zu unseren Füßen einfach nur in eine undurchdringliche Schwärze getaucht, kein einziges Licht war dort unten zu sehen gewesen. Doch am helligten Tag brach dort hinter den Büschen und den kleinen Bäumchen plötzlich ein Teil der Welt ab. Fast berechenbar, sauber und genau, schien der Grand Canyon irgendwann einmal beschlossen zu haben, kollektiv einige hunderte Meter in die Tiefe fallen zu wollen. Diese gebirgige Fläche, mit den fast symetrischen Bergen, paralell und horizontal verlaufenden Steinschichten in rot, grau und braun, tat sich plötzlich und unerwartet vor einem auf. Es ging kein Hügel hinunter in dieses Tal, noch schien es wirklich ein Tal zu sein. Es wirkte einfach, als hätte der Gott Thor mit seinem Hammer auf diese Stelle geschlagen und sie so einfach etwas tiefer in die Erde hinein gedrückt, sodass es einen glatten Bruch zwischen der grasigen Landschaft, die wir zuvor durchfahren hatten, und diesem steinigen Ungetüm gab.
Wir wanderten zunächst einmal die Stellen entlang, die wir bereits am Vortag besucht hatten, und genossen die Aussicht und den frischen Wind, der einem hier um die Nase blies. Ohne eine Absperrung luden die kleinen Mini-Steinplateaus immer wieder dazu ein, sein Leben zu riskieren, um einen Blick über die Kante und in die Tiefe zu werfen. Living on the edge. Mich würde es nicht wundern, wenn hier einige wagemutige Schaulustige schon mal zu weit über den Tellerrand geblickt hätten und in den Tiefen des Steinspalten verschwunden sind.
Eindruck
Das Auto konnten wir auf einem der großen Parkplätze stehen lassen, um den weiteren Teil des Parks zu besuchen, den man nur mit dem Shuttel anschauen konnte. Dieses fuhr an der Abbruchkante entlang und offenbarte immer wieder neue Ausblicke, wie beispielsweise auf den Colorado River, der von hier oben doch recht schmächtig aussah. Doch an dieser Aussicht kann man sich nicht satt sehen.
In die andere Richtung des Parks, nach Osten, ging es wieder mit dem Auto, zwischendurch mit tierischen Begegnungen: man merkt, wenn es etwas interessantes zu schauen gibt, wenn plötzlich vor einem auf der Straße mehrere Autos anhalten oder nur im Schritttempo langsam weiter rollen, wenn Kameras und GoPros und Selfiesticks ausgepackt werden und die Menschen im Entengang durch die Büsche kriechen. Und das taten wir auch. Ausgestiegen, hingeschaut. Ein riesiger Hirsch stand ganz entspannt zwischen den Bäumen, schüttelte sein prächtiges Geweih und schien sich offensichtlich der Aufmerksamkeit zu erfreuen, die er auf sich zog.

Magisch
Wie leicht der Mensch doch zu begeistern ist. Es ist schon fast traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass dieses Tier keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint, sonder etwas, von dem man sagt: "Ob wir so etwas wohl jemals nochmal sehen werden?". Dieser Gedanke kam mir während unseres Trips schon einige Male. "Werde ich diese Aussicht wohl jemals noch einmal genießen können? Werde ich in meinem Leben je noch einmal hier her kommen? Schade, dass ich diese Menschen wohl das letzte Mal gesehen habe." Es stimmt mich nachdenklich, dass etwas so natürliches und schönes wie die Nationalparks hier, aber auch die in anderen Ländern der Welt wie in meiner zweiten Heimat in Malawi (silja-malawi.blogspot.com) erst zu einem Ort werden müssen, für den man Eintritt zahlt, obwohl diese Orte da sind und immer da waren. Und das, nur um sie vor Zerstörung und vielleicht auch vor dieser Selbstverständlichkeit zu schützen, mit der der Mensch annimmt, dass ihm die ganze Welt gehört. Hoppla, das war jetzt ein emotionaler Ausflug in mein Unterbewusstsein, das zu gerne philosophiert. :)
Der Hirsch. Ja, ich muss sagen, das hat mich wirklich berührt, wie er d so einsam in seinem Wald stand, umgeben von Paparazzis. Aber irgendwann ist der Mensch gelangweilt und sucht sich etwas neues Aufregendes. Also ging es weiter, zu einem Aussichtsturm, schon etwas älter, steiniger, mit zu niedrigen Decken, sodass Colin beim Hinaufklettern den Kopf einziehen musste. Die Aussicht auf den Canyon verändert sich ständig, hinter jeder Felskluft verbirgt sich... eine neue! Immer wieder der Colorado River, dessen glitzerndes Wasser sich einen Weg durch die steinige Landschaft gräbt.
7.30pm
Für den Sonnenuntergang verschlug es uns dann an einen kleineren Aussichtspunkt, mit felsiger Kante. Da wir eine Stunde vor dem Untergang da waren, konnten wir unsere Kameras gut platzieren, um wenigstens einen schönen Schuss davon zu erhaschen, was sich um 7.20 Uhr Abends am Horizont ereignen sollte. Neben uns hatte sich ein sehr netter Profi-Fotograf von der Ostküste positioniert, zusammen mit seiner Familie, der mir schnell ein paar gute Tipps für die Kameraeinstellung gab. Ich bin gespannt, wenn er uns seine Bilder schickt, Amerikaner sind einfach zu nett. ;)
Je mehr Touris kommen, desto sicherer kann man sich sein, dass etwas passiert. Es ist das selbe wie mit dem Hirsch, nur dieses Mal war es die Sonne. Eine Selbstverständlichkeit, und doch so etwas besonderes in einem Moment wie diesem.


Sundown
Der nächste Tag sollte hauptsächlich unsere Fahrt zum Zion National Park in Anspruch nehmen, mit einem kurzen Abstecher am North Rim des Grand Canyos. Über diesen Punk
Bisons
t möchte ich nicht so viele Worte verlieren, außer dass der Aussichtspunkt viel kleiner, der Canyon grüner, der Wind stärker und der Tag kälter war. Colin wurde einmal fast von einem Plateau geweht und ab da an haben wir beschlossen, dass es nett wäre, wenn wir alle lebend den Ausflug beenden würden. Das Highlight: eine riesige Herde Bisons, die auf dem Weg zum North Rim vor uns die Straße überquerten, mit süßen kleinen Mini-Büffeln. Sie waren einfach süß, so.




Nachthimmel
Für unseren Aufenthalt im Zion blieben wir in der Stadt Hurricane, und wie schon zwei Tage davor verschlug es uns noch nach einem guten Thai-Abendessen in die Nacht des Nationalparks.
Unter einem Sternenhimmel zwischen den dunklen Silhouetten steiler Felswände hindurch zufahren hat seine ganze eigene Magie. Die Straßen schlängeln sich dann um die Berge herum, und es hat etwas von einem Abenteuer, nicht zu wissen, wolang man fährt und wo man ankommt. Immer wieder hielten wir, legten uns auf die Erde oder auf Steinblöcke und versuchten uns am perfekten Bild, oder ließen einfach nur die Stille auf uns wirken.

Die Schönheit liegt im Detail
Eine Oase in der Wüste
Am nächsten Morgen erst sahen wir, wo wir eigentlich lang gefahren waren. Mit hohen roten Bergen rechts und links ist der Zion National Park ein Canyon, der für mich all die vorherigen Parks in sich vereint: Wüste, Wasser, Wald. Der Park vereint in sich all diese Gebiete, weswegen er mein persönlicher Favorit ist. Er ist nicht zu groß, hat kleine, schöne Wanderwege und unglaublich viele wunderbare Details, wie Wasserfälle, versteckte Schluchten und kleine Tümpel. Durch diesen Canyon fließt in kitschiger Idylle der Virgin River, der bis nach Las Vegas fließt und 40 Meilen von hier irgendwo in den Bergen seinen Ursprung hat. Grüne Bäume, rote Erde und felsige Wege machen diesen Park aus und verwandeln ihn in eine kleine Oase inmitten der Wüste, in der er liegt.
 Wieder hieß es, das Auto an einem Punkt stehen zu lassen und mit dem Bus loszufahren, um die exquisiten Ecken des Parks zu erreichen. Bei strahlendem Sonnenschein (wie sollte es anders sein), kraxelten wir die Berge hinauf, zu Wasserfällen, Wasserlöchern und immer der Sonne entgegen. Vorbei an Kakteen und anderen Touristen, die sich schnaufend und schwitzend den Weg an Steinwänden vorbei suchen, um schlussendlich bei einem der Wasserlöcher halt zu machen und Bagel und Zimtschnecken zu verputzen.
Country Roads
( Das mit dem Brot ist eine Katastrophe hier, ich könnte darüber seitenweise schreiben)

Lieblingsfarbe
Unten angekommen, gönnten wir uns dann eine Pause mit riesigem Softeis und Literweise Cola (natürlich ohne Zucker. Haha.) um dann noch einen letzten Stopp bei einem Punkt zu machen, von dem man den White Throne und Angels Landing sehen konnte, zwei Berge, die mit zu den Sehenswürdigkeiten gehören. Angels Landing heißt so, weil der erste Manager des Parks einen Aussichtspunkt für Besucher schaffen wollte, von dem aus sie den ganzen Canyon sehen könnten, aber seine Freunde hielten ihn für verrückt und sagten, dass dieser Punkt auf dem Berg so hoch sei, dass nur Engel darauf landen könnten. Für Wagemutige und Menschen mit Kondition ist der Punkt erreichbar. Ich blieb, aus diesen Gründen, daher lieber auf dem Boden und schlug mich mit meinen Mitreisenden durch das Gebüsch, um am Virgin River den Weg zurück zum Auto anzutreten. Zurück zum Auto, und zurück in die Zukunft, denn auf unserer Reise sind wir durch eine der Zeitzonen gefahren, was bedeutete, dass wir auf unserem Rückweg noch eine Stunde an die Zeit verloren.









Orem, Utah. USA. Hier ist für die nächsten vier Monate mein Zuhause. Und hier kann mich jeder, der mich sucht, in der nächsten Zeit finden. Also: go for it. ;) Die nächsten Blogeinträge haben auch schon ihre Themen: Die erste Woche im Studentenheim, die ersten Wochen Uni, Verrücktes Amerika und die Religion, die hier gelebt wird. Also bleibt dabei, der nächste Eintrag kommt. ;)
Glück auf,
eure Silja


See ya


Sonntag, 28. August 2016

Roadtrip Teil II - Extremum der Superlative

Heute ist ein halb-freier Tag, ich habe erst um 4 Uhr Uni. Meine Kommilitonin Alicia und ich haben beschlossen, das Fach "Radio Production" abzuwählen, da es komplett überlaufen ist und wir den armen Amerikanern, die an unserer Uni bis zu 7.000 Dollar für ein Semester bezahlen, nicht die freien Warteplatz-Plätze wegnehmen wollen. Also nehmen wir jetzt den Workshop "Newspaper", in dem wir die Uni-interne Zeitung schreiben werden, die jeden Monat, ich glaub sogar mehrere Male, raus kommt. Und es gibt definitiv genug, worüber man hier als Deutsche schreiben kann! :D Aber zunächst einmal folgt jetzt der zweite Teil meiner Reise mit meinem Freund Colin und meiner Kommilitonin Lara.
Zuletzt befanden wir uns im Yosemite Nationalpark, und unser nächster Trip ging Richtung Death Valley.
Nach einem leckeren Frühstück am 12.08.2016, bestehend aus Bagel, Waffeln und Joghurt, eingenommen mit zwei verrückten Italienern, die zuvor aus Las Vegas gekommen waren und direkt wieder dorthin zurückfahren wollten, einigen Franzose, und Deutschen, ging es los zum nächsten Abenteuer. Dieses Mal sollte es nur eine Fahrt von 5 Stunden werden, bis wir unser Endziel erreichen, mit einem Abstecher im Death Valley.

trocken
 Das hieß zunächst einmal, dass wir unsere traumhafte Waldlandschaft verlassen mussten, und die 3000 Fuß Höhe hinter uns zurück ließen, auf der wir uns bis dahin befunden hatten. Über die Straßen, durch einige Siedlungen und kleinere Städtchen hindurch, fuhren wir erst einmal 2 Stunden Richtung Süden. Die Umgebung wurde langsam trockener, die Bäume verschwanden, der Boden wurde sandiger und die Luft wurde heißer (nicht, dass es nicht davor schon warm gewesen wäre). Doch bis zum eigentlichen Parkeingang dauerte es dann doch

Der erste Ausblick
ein Stück.  Die Berge wurden steiniger und rauer, grau und teilweise mit einem eigenartigen grün-Stich. Bei einem wunderschönen Aussichtspunkt, der jedoch in Flipflops eher schwierig zu beklettern war, bekamen wir dann den ersten Blick auf die trockene Wüste des Death Valleys. as ich zuvor noch für trocken und tot gehalten hatte, sollte noch trockener und toter werden als es schon war.
Honeybee
Die Straße führte uns die Berge hinunter, bis wir mit dem Auto plötzlich am Beginn einer Strecke standen, die uns Schnur-gerade durch eine Wüstenlandschaft führte, die sandiger, heller und heißer nicht hätte sein können. Das Maximum an Temperatur lag bei 115 Fahrenheit, umgerechnet ca. 46, 1 Grad Celsius. Da wir allerdings in unserem klimatisierten Wagen saßen, bekamen wir die volle Wucht der Hitze erst ab, als ich meine Füße einmal in den schönen Sand stecken wollte. Kaum hatte ich das Auto verlassen, brannten meine Fußsohlen, als stände ich auf glühenden Kohlen, und den Tanz, den ich darauf hin vollführte, hielten meine beiden Reisegefährten eher für einen Freudentanz als einen des Schmerzes. Mit taten die Füße noch den ganzen Tag weh.

110 Fahrenheit = 43,33 Grad Celsius
Hallo in der Unendlichkeit














natürliche Kunst
Es ging weiter, gerade aus, gerade aus, durch sandige Weiten, über flimmernden Asphalt, immer Richtung Berge. Ließen wir eine Bergkette hinter uns, tauchte am anderen Ende des Tals eine neue auf. Und so ging es immer weiter. Bis dahin war ich schon von den unglaublichen Weiten des Death Valleys begeistert gewesen, doch hinter einer weiteren Bergkette tauchten dann auch noch auf der linken Seite ganze Dünen auf, hoch, kitschig, und irgendwie total fehl am Platz. Es sah so aus, als hätte jemand sie dort irrtümlich aufgeschüttet, an einem Platz, fernab von allem. Mit toten Bäumen, die die Straßenränder zierten, und einem Sand, der golden funkelte.
Das Death Valley war auf eine so harte, traurige und tote Weise schön, wie es sich wohl mit keinem Nationalpark in Amerika vergleichen lassen könnte. Und obwohl dies eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp war, den wir noch dazu nutzen, um unseren anual National Park Pass zu bekommen (80$ für ein ganzes Jahr und alle Nationalparks) fand ich diesen Ort doch mit am eindrucksvollsten und am sehenswertesten. Innerhalb von zwei Stunden waren von hohen Tannenwäldern in heiße Wüstenregionen gelangt. Das Extremum der Superlative.

Doch das Death Valley sollte an diesem Tag nicht unser einziges Extremum bleiben, denn es hieß: Vegas Baby! Ich muss dazu direkt sagen, dass ich leider kaum Fotos gemacht habe, was zum einen dran lag, dass mein Weg mich wohl noch mindestens einmal dorthin führen wird und dass ich, zum zweiten, meine Kamera nicht mitnehmen wollte, weswegen es auf einige mickrige Handyfotos hinauslief. Aber das erste kommt direkt:

Die Aussicht von unserer Suite
Wir sind in Vegas im Stratosphere untergekommen, dem Hotel mit dem hohen Turm, auf dem sich eine Achterbahn befindet. Wir wollten es fürs erste klein halten :P. Unverhofft wurden wir dann noch von einem normalen Standardzimmer in eine Suite umgebucht, mit riesigem Bad, King-Size-Bed und Couch, sodass wir alle super gemütlich unterkamen. Naja, es ist halt Vegas, da bekommt man als Studentin halt auch mal einfach ne Suite! :P

Das Stratosphere

Im Bellagio

Venezia - Las Vegas


Qui qui
















Nach einem Happen (Burgen, haha.) ging es dann los in diese verrückte Stadt. Am Tag muss ich sagen, ist Vegas nicht ansatzweise so schön, wie man es sich vorstellen könnte. Es ist eine Stadt, die erst Nachts zu dem wird, was man von ihr kennt. Helle Lichter, verrückte Menschen, blinkende Spielautomaten, teure Geschäfte. Diese Stadt hat mich erschlagen, mit all den Menschen, die niemals müde zu werden scheinen, mit den riesigen Hotels, die man aus Filmen kennt. Versuche ich, darüber nachzudenken, was ich als erstes gesehen oder gedacht habe, kann ich es kaum noch sagen, aber ich glaube es kommt sehr viel mit "Oha", "Wow", und "Oh mannomann" darin vor. Mein Freund Colin mutierte irgendwann in eine Motte, die von allem angezogen wird, was glitzert, und somit war es eher schwierig, ihn nicht aus dem Blick zu verlieren, wenn er wieder hypnotisiert und mit Tunnelblick von einem Licht zum andern rannte und wie eine kaputte Schallplatte wiederholte: Schau mal. Schau mal.
Ob das Hotel Venezia, mit Wasser drumherum und Gondeln, mit hohen, bemalten Decken im italienischen Stil, oder das Bellagio, mit seinen riesigen Spielhallen, bunten Glasblumen und seiner glitzernden Unterwasserlandschaft, oder das Caesars Palace mit seinen 10 riesigen Gebäudekomplexen im altrömischen Stil, ich wurde es nie müde, mich umzuschauen, Ein Zirkuszelt, ein Eifelturm, ja, das war Vegas. Halbnackte Tänzerinnen, wiederauferstandene Elvisse(?). Prüde Amerikaner, die in dieser anonymen Stadt Hemmungen und Schichten fallen lassen. Eine Nacht in Vegas ist wie keine Nacht. Wir ließen uns mit den Massen durch die Stadt treiben, blieben mal hier und mal da hängen, Colin gewann im Belagio 28$, Alicia verlor 8$. Und am Ende fielen wir nach gefühlten 100km laufen und viel zu vielen Eindrücken wie tot ins Bett. Eine weitere Superlative an einem einzigen Tag.

Hoover Dam
Am 13.8.2016 ging es früh am Morgen weiter. Zum einen holte ich mir in Vegas eine amerikanische Simcard, zum anderen musste ich mir neue Flipflops holen, denn ich hatte meine geliebten "Bahnersatzverkehr"-Latschen am Abends zuvor kaputt gelaufen. Dann ging es weiter, dieses Mal Richtung Grand Canyon, einer weiteren Naturgewalt in diesem Land. Auch hier machten wir einen Zwischenstopp, beim sogenannten Hoover Dam, Drehort für Filme wie Transformers. Er befindet sich auf der Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Arizona, und staut den Clorado River zum Lake Mead auf. Er wurde für die Energiegewinnung gebaut und soll eine regelmäßige Wasserzufuhr kontrollieren, da der Colorado River wohl vor dem Bau immer mal wieder für Überschwemmungen gesorgt hat. Aber da auch hier die Luft stand und es einfach nur brüllend heiß war, blieben wir nicht lange.

Guns are welcome - yep, american
Weiter ging es nach Williams, unserer nächsten Unterkunft, etwa eine halbe Stunde vom South Entrance des Grand Canyon entfernt. Unser In, ein richtiges Trucker-Hotel, lag direkt an der Route 66. Bevor wir noch zum Sterne gucken in den Nationalpark fuhren, wollte Colin in ein echtes Diner, als suchten wir uns das aus, was uns am einladensten erschien. Und es lud nicht nur uns ein:

Manchmal sind Amerikaner schon ein Völkchen für sich. Fragen, wie es einem geht, ohne dass sie es interessiert, machen Komplimente, ohne dass sie es ernst meinen. Ich bin einfach zu unfreundlich für dieses Land. Aber ich übe mich im Komplimente machen und warte schon immer darauf, dass mich irgendwer nach meinem Befinden fragt.
Auf jeden Fall haben wir gut gegessen in diesem Diner und es war auch sehr authentisch und gemütlich. Dann ging es ab zum Grand Canyon, mit der Hoffnung auf etwas Sonne, um doch noch einen Blick zu erhaschen, doch als wir dort in der Dunkelheit ankamen, erstreckte sich vor uns zunächst einmal nur eine gähnende Leere, die nicht ansatzweise vermuten ließ, wie groß und Tief diese Weite vor uns zu sein vermochte.
Doch den einen oder anderen Catch konnte ich noch machen, und schnell hatten wir uns auch etwas spaßiges ausgedacht: Lichtermalen.















Aber auch ohne Licht war dieser Abend toll: Grillenzirpen, Sterne schauen, meine Kamera etwas austesten. Und auch hier, am gefühlten Abgrund der Welt, war der Wind auch Nachts noch warm.
Und die Spannung, zu sehen, was am nächsten Tag aus dieser Dunkelheit erstehen würde, wuchs dadurch noch mehr!

Ich stelle gerade fest, dass ich morgen einen Test schreibe und daher besser noch etwas lernen sollte. ;) Daher erhalte ich euch die Spannung für den Grand Canyon und erzähle euch das nächste Mal, was der Roadtrip noch für uns bereit hielt, denn es gibt noch mehr als den Grand Canyon! :)

Ich schicke euch liebe Grüße nach Hause!
Glück auf, eure Silja