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Montag, 12. September 2016

Die erste Woche im Studentenwohnheim - Wolverine Crossing

Heute möchte ich euch etwas darüber erzählen, wie ich mich hier in der ersten Woche meines Aufenthalts als Studentin eingelebt habe.
Es ist schade, dass es schon irgendwie solange her ist, ich muss mich erstmal dran erinnern, was alles war. Aber zunächst einmal zu unserem Studentenwohnheim.
Ich lebe im Wolverine Crossing, das ist ein Wohnkomplex von beachtlichem Ausmaß, zwei Kilometer von der Uni entfernt. Der Link wird euch weiter auf die Seite leiten und ich kann euch versprechen, dass alles wirklich so aussieht, wie es auf der Internetseite ist. Die Häuser sind in knalligen Bonbon-Tönen gestrichen, das Eingangstor erinnert an Disneyland. Zum Wohnheim gehören zwei Pools, ein Whirlpool, ein Beachvolleyball-Feld und ein Basketballfeld, eine LDS Kirche (Mormonen), tausend Parkplätze, ein Fitnessstudio und einige Bushaltestellen sind direkt zu erreichen.
Ich hab mal zwei Bilder von der Website gemoppst:

Am Pool

Der Freizeitbereich
Mein gebastelter Apartment-Plan
Bad
Wohnzimmer
Die gute Seite der Macht
Küche
Ich teile mir das Zimmer mit meinem Roomie Bekah, und das erste, was wir gemacht haben, war, die Tische und die Betten so umzustellen, dass alles nicht unbedingt irgendwie irgendwo stand. Wir haben ein Eck-Apartment, was heißt, dass wir super Glück hatten, weil unser Apartment größer als die anderen ist. Wir teilen und zu viert ein Badezimmer, Malaelele und Briannah, unsere beiden anderen Amerikanerinnen, teilen sich ein Zimmer mit eigenem Bad. Das Wohnzimmer ist riesig, mit zwei großen Sofas, großem Flachbildschirm, und mittlerweile haben wir auch einen DVD-Player und einen Apple TV (den ich lustigerweise direkt in der zweiten Woche auf einer Uni-Party gewonnen hab, ich Glücksente, ich. Wir haben auch nur zwei Tage gebraucht um raus zu finden, was man damit machen können soll...:P). Die Küche ist offen zum Wohnzimmer hin, mit einer halbhohen Wand neben dem Tisch, Spülmaschine, Herd, Bachofen und Mikrowelle plus Riesenkühlschrank. Wobei "Riesig" relativ ist, wenn man drüber nachdenkt, dass da sechs Leute ihren Kram reinstellen sollen.
Überall außer im Bad und in er Küche ist super-flauschiger, neuer Teppichboden, die Wände wurden erst vor kurzem gestrichen. Vor den fenstern sind Mückennetze, und sie lassen sich nach oben aufschieben. Unser Apartment ist im 4. Floor, also ganz oben, und wir haben eine Aussicht auf die Fläche, die das Zentrum des Wohnkomplexes darstellt, mit einer Wiese, einem kleinen Pavillon und Wegen in alle Richtungen. In 2 Minuten sind wir am Pool und am Gym, in 5 Minuten an der Bushaltestelle, in 30 Minuten zu Fuß an der Uni.

Unsere drei Amerikanerinnen sind zum Knuffeln. Malae und Bri studieren ebenfalls an der UVU, Malae auf Lehramt, Bri auf Krankenschwester. Bekah arbeitet hauptsächlich und schreibt sich erst zum Frühlingssemester ein. Die Waschmaschinen und Trockner sind im Erdgeschoss, und egal was ist, alles wird innerhalb eines Tages repariert (unser Klempner kennt uns schon, wir haben schon eine neue Spülmaschine bekommen).

Generell muss sich hier viel getan haben im Wolverine Crossing. Es gab einen Management.Wechsel, davor soll es wohl katastrophal gewesen sein. Aber davon merken wir nichts. Es ist alles super organisiert und die Leute sind hilfsbereit. Für jeden Flur gibt es einen Residental Advisor, meist in unserem Alter, der bei allem möglichen hilft, wie zum Beispiel, wenn man einen Staubsauger braucht. Ich kann echt nur sagen, dass ich mich wirklich wohl hier fühle. :)

Und die erste Woche hier im Wolverine Crossing ging auch direkt richtig ab. 5 Tage lang, von Mittwoch bis Sonntag, gab es jeden Abend Programm.

1. Tag, 17.08.
Ganz viele Vitamine!
Es begann mit einem Aloha-Dinner am ersten Tag. Lampions wurden aufgehängt, Infotische aufgebaut, alles wurde geschmückt. Direkt am Pool wurden Tische aufgestellt, wo es Pulled Pork, Salate, Reis und und und zu essen gab. For free. Meine Neuentdeckung: Snow Cones/ oder auch italienisches Eis. Dafür kratze man seinen Gefrierschrank aus, schütte süßen Sirup darüber, und fertig. Je süßer und bunter, desto besser!
Gleichzeitig bekamen wir T-Shirts, ein Mormonen-Paket, inklusive Jesusbild, und lernten direkt einen ganzen Haufen neuer Menschen kennen. Die typische Fragereihenfolge:
Wie heißt du?
Woher kommst du?
Ich wollte auch schon immer mal nach Deutschland! Wo genau wohnst du?
Mhm...kenn ich nicht. Aber warum bist du ausgerechnet in UTAH? :D

Und ich schwöre es, so spielt sich das eigentlich immer ab! Ziel dieses ersten Abend war es, erst einmal rauszufinden, wo wir eigentlich gelandet waren. Wir leben in Gebäude F, das schränkte also schoneinmal ein, wen man vermutlich öfter treffen würde. Der untere Flur unseres Hauses wurde übrigens aufwendig geschmückt, im mexikanischen Stil. Die Fenster waren verdunkelt, überall hingen blinkende Lichterketten. An die Wände befestigt standen Europaletten, die so geschmückt waren, dass sie aussahen wie kleine Minibars. Sombreros hingen von den Decken, Totenköpfe lagen mal hier, mal da. Das ganze in warmen, orange-rot und gelben Tönen gehalten, richtig schnuckelig.

2. Tag, 18.08.
Apartment Maskottchen Hibiscus 
Während des Tages mussten wir uns erst einmal darum kümmern, Essen und fehlende Dinge wie Klobürsten zu besorgen. Wir hatten an dem Tag, als wir in Orem ankamen, vier große Kisten mit Bettzeug, Küchenkram und Badezimmerutensilien bekommen. Aber natürlich fehlt dann doch wieder irgendwas. Heißt, obwohl wir an diesem Tag lieber am Pool gelegen hätten, führte uns der Weg zwei Mal in den Walmart, wo wir nicht nur Geld, sondern auch viele Nerven ließen. Walmart ist meine persönliche Hölle. Riesig riesig groß, wie allem an Kram was man will oder auch nicht will. Nicht meins. Echt nicht.
Abends folgte dann Party Nummer 2. Weil wir allerdings erst recht spät los gingen und irgendwie noch nicht mitbekommen hatten, dass die "Partys" immer nur bis Mitternacht gingen, damit man den Fünf-Tage-Marathon durchhält, war dieser Abend für uns nicht all zu lang. Es war Meet S`More People. Ein Wortspiel, denn "Smores" ist eine Süßigkeit hier, für die ich eine Art Hass-Liebe entwickelt habe. Man nehme dafür einen Marshmallow, röste ihn über dem Feuer, nehme ein Stück Schokolade und zwei Kekse, mache daraus ein Sandwich und belege es dann noch mit Obst, falls man sich bewusst ernähren möchte. Nach zwei Stück war mir schlecht. Das ist einfach süß, süß, süß. Aber amerikanisch. :D Aber man kommt nicht an Smores vorbei. Sie sind überall.

3. Tag, 19.08
Roomies (und Colin :P )
An diesem Tag hieß es Abschied nehmen von Colin. Um 14 Uhr ging sein Flieger, das hieß, um 11 Uhr nach Salt Lake City losfahren. Abschiede sind nie schön, mein Vorteil war, dass der Tag noch eine Menge an Aufgaben für mich bereit hielt. Zurück im Apartment wuselten wir dann weiter vor uns hin,  und fanden ein paar entspannte Stunden am Pool. Der Abend gehörte dem Benefit Concert & Food Trucks. Lokale Musiker traten hier auf, dafür wurde auf dem Parkplatz eine Bühne aufgebaut. Es gab Food Trucks, unter anderem mit mexikanischem Sushi, und um auf das Gelände zu kommen konnte man entweder 2$ bezahlen oder eine Konservendose Essen mitbringen.
Die Bands, die auftraten, kannte ich persönlich nicht, doch scheinbar gibt es hier eine riesige Musikszene, aus der unter anderem Bands wie Imagine Dragons hervorgetreten sind. Aufgetreten sind Strange Familia, Emily Bae, Foreign Figures und Emissary. Die beiden Mittleren waren meine beiden Favoriten, und besonders Foreign Figures solltet ihr euch mal
anhören. http://foreignfigures.com
Die Stimmung war auf jeden Fall fantastisch! Im Hintergrund spielten Leute Basketball und Volleyball, vor der Bühne hüpfte und tanzte alles. Ein klarer Sternenhimmel, warme Luft, eine perfekte Sommernacht. Wir trafen zwei Amerikaner, die fast fließend deutsch sprachen einer von ihnen trug ein BVB-Trikot, der eigentliche Grund, weswegen wir auf sie aufmerksam wurden. Lieblingsspieler? Da hatte er dann doch keine Ahnung. :D

4. Tag, 20.08
Favourite Place to be
Pool. Pool. Geliebter Pool. Das Wetter hier war einfach fantastisch, jeden Tag bis zu 30 Grad, einfach ideal, um die Zeit in einem sprudelnden Hot Tub zu genießen oder sich zu sonnen. Der Plan war erst, Abends zum vierten Event zu gehen, der Escape Dance Party & Soda Bar. Allerdings lief es dann
anders als gedacht. Bryn fuhr mit uns zunächst zu einem Aussichtspunkt oberhalb der BYU, der Brigham Young University, auch die Uni der Mormonen genannt. In deren Studentenwohnheimen dürfen sie nicht einmal Kaffee beziehungsweise Koffein haben. Was ist das für ein Leben. Amen, das sage ich euch...
In der Halbdämmerung erstreckte sich Orem vor uns, in einer Kulisse aus Bergen, vielen kleinen, strahlenden Lichtern, der roten Sonne und dem riesigen Provo Lake im Hintergrund. Die Umgebung ist einfach traumhaft, auf ihre Art wild und einsam.
Danach war der Plan, Freunde von Bryn zu besuchen, namentlich: Pat, Stefan und Clint. Die Namen dürften euch aus meine Geburtstagspost bekannt sein. Die drei Wohnen zusammen in einer WG in Clints Haus, und bilden ein wirklich verrücktes Trio. :) Wir verbrachten alle zusammen den Abend, bewiesen unsere Gitarrenkünste, ließen uns eine Einführung für Kletterausrüstung geben (Pats Hobby ist Rock Climbing) und hörte den ein oder anderen guten Witz über Meister-Köder etc. Zudem versuchten wir, herauszufinden, was es mit dem Kaffee- und Tee-Verzicht der Mormonen auf sich hat und bekamen eine äußerst interessante Geschichte darüber zu hören, dass man wohl nach der Titanic-Katastrophe Fußbälle gefunden hat, von denen man rausfand, dass es sich dabei um die Mägen Ertrunkener handelte, die sich aufgrund von zu viel Tee-Konsum aufgebläht hätten. Eine sehr interessante Theorie, der man mal nachgehen könnte (sagte sie, und trank einen großen Schluck Darjeeling). Naja, das Mormonentum hat sich wohl für mich schon alleine deswegen erledigt. :P
Eine neue Dimension der Süße

5. Tag, 21.08.2016, Sonntag
Dieser Tag markierte den letzten Tag der ersten Woche, und den letzten Tag meines Urlaubs. Am nächsten Tag sollte es mit der Uni los gehen, aber dazu komme ich ein anderes Mal, denn auch, wenn ich schon viel von der Uni erzählt habe, gibt es weit aus mehr als das, was ich bis jetzt beschrieben habe.
Nach einem langen Schlaf und einem Sprung in den Pool, gehörte dieser letzte Abend den Sundae Sweets.
Und nach den Smores dachte ich bereits, die höchste Stufe an Süß erreicht zu haben. Tja, weit gefehlt. Ich bekam ein Schokoeis, mit Schoo-Karamel Sauce, mit Smarties und Sahne. Und da hier alles generell schon mal einen Tacken süßer als süß ist, was das nochmal ein Knaller.
Wir konnten dann noch einen ganzen Eimer Chocolate Chip abstauben, der auch innerhalb von vier Tagen komplett vernichtet war. Der Heißhunger auf Süßes wird hier irgendwie nur noch angespornt.
Mit einem Zuckerschock hieß es dann: ab ins Bett, bereit machen für den ersten Tag Uni.

Soweit dazu. :) Ich hoffe, dieses Durcheinander an Infos hat für euch irgendeinen Sinn gemacht. Es ist gar nicht so einfach, sich alle Infos aus dem Gedächtnis abzurufen, wenn man erst Wochen später darüber nachdenkt.
Bis ganz bald, und Glück auf!
Eure Silja

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